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Ja-Wort am Schnapszahl-Datum: Schwules Paar feiert Hochzeit karnevalistisch

Ja-Wort am Schnapszahl-Datum : Schwules Paar feiert Hochzeit karnevalistisch

Im Alter von 46 und 52 Jahren gehen Thomas und Jörg in Mainz den Bund der Ehe ein. Sie haben einen Termin am 20.2.20 – Altweiberfastnacht. Gefeiert wird völlig unmainzerisch mit Kölsch und Mettbrötchen.

Nein, eine traditionelle Hochzeitsfeier wollen Thomas und Jörg nicht. Dem 46- und dem 52-Jährigen ist nach lockerer Atmosphäre, mit karnevalistischer Note. Vor 16 Jahren lernten sich die beiden kennen, nun geben sie sich das Ja-Wort im Mainzer Standesamt. Das geschieht an einem Schnapszahl-Datum: dem 20.2.20. Das bietet eine weitere Besonderheit, es ist Altweiberfastnacht, die den Auftakt in die heiße Phase der Straßenfastnacht bildet.

Entsprechend wird es für Thomas, Jörg und ihre Gäste nach der Trauung im Mainzer Standesamt in ein Café in Sichtweite zum Fastnachtsbrunnen auf dem zentralen Schillerplatz gehen, wo sich die Narren an dem Tag tummeln werden. Vorher steht vor dem Standesamt noch ein Umtrunk an, ohne Sekt, wie beide erzählen. Für Jörg, der aus dem nordrhein-westfälischen Geilenkirchen stammt und lange in Köln gewohnt hat, müssen es stattdessen Kölsch und Mettbrötchen sein.

„Mainz braucht etwas karnevalistische Nachhilfe“, scherzt Jörg. Als er vor einigen Jahren in die Landeshauptstadt gekommen sei und hier zum ersten Mal Fastnacht gefeiert habe, seien sehr viele Kölner Lieder zu hören gewesen. Das habe ihn gewundert. Auch das ganz große bunte Treiben auf den Straßen vermisse er in Mainz etwas. Eingelebt hat er sich trotzdem, genau wie sein künftiger Ehemann Thomas, der im Saarland groß geworden ist.

Und noch etwas Kölsches wird die Hochzeitsfeier am 20.2. mitprägen: Ihr 16 Jahre altes Jack Russell Terrier-Weibchen Grace. Sie stammt aus einem Tierheim in Köln-Zollstock. Zur Feier wird sie ein Monsterkostüm tragen, wie Jörg ankündigt. Das Paar selbst wirft sich bunte, karnevalistische Fracks über, dazu Zylinder. Das Standesamt werde mit Regenbogen-Luftballons geschmückt.

Vor drei Jahren gingen die beiden eine eingetragene Partnerschaft ein. Es sei immer klar gewesen, dass irgendwann die Ehe folgen solle, sagen sie. Bei der eingetragenen Partnerschaft sei nicht groß gefeiert worden, für Thomas ging es direkt danach zurück an die Arbeit. Nun wird das Feiern nachgeholt. Dass dies an Altweiber über die Bühne geht, sei eher Zufall gewesen - ein Terminvorschlag einer Standesbeamtin. Im Dezember sei dann alles fix gemacht worden. „Wenn man so ein leicht zu merkendes Datum bekommen kann, sagt man sofort "Ja"“, erzählt Thomas.

Nun müssen alle Gäste kostümiert in Mainz aufschlagen. Eingeladen worden sei auf Karten mit Kölschem Text, angekündigt wurde eine Sause „in der Karnevals-Enklave Mainz“.

Dass es in Deutschland seit Oktober 2017 die Ehe für alle gibt, ist für das Paar der Schlusspunkt einer langen positiven Entwicklung. Die eingetragene Partnerschaft sei anfangs nicht mit allzu vielen Rechten verbunden gewesen, sagt Thomas. Das habe sich nach und nach geändert, die Ehe für alle sei dann eine Art I-Tüpfelchen gewesen. „Dann ist für uns aber Schluss“, scherzt Thomas. „Mehr kommt dann nicht.“

(dpa)