Auch Region geht leer aus : Schwimmbädern fehlen 188 Millionen Euro

Auch Region geht leer aus : Schwimmbädern fehlen 188 Millionen Euro

Ein Förderprogramm des Bundes für Schwimmbäder erweist sich für viele Kommunen in NRW als Schlag ins Wasser. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Linken hervorgeht, fehlen allein in NRW 188,2 Millionen Euro um in den öffentlichen Bädern herunterkommende Kacheln, marode Rutschen und Sprungtürme so wie abgenutzte Umkleiden zu sanieren.

Auf das Programm des Bundes „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ hatten sich 60 Kommunen aus NRW beworben. Nur zehn von ihnen erhielten einen Zuschlag. 110 Millionen Euro sollen für die Sanierung von Schwimmbädern in ganz Deutschland fließen. Die 50 NRW-Kommunen, die leer ausgehen, hatten insgesamt Fördermittel in Höhe von 188,2 Millionen Euro beantragt, wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums hervorgeht.

Zu den Kommunen, die leer ausgegangen sind, zählt auch Aachen. Im vergangenen Jahr hat sich die Stadt um die Bundesmittel beworben, um den dritten Bauabschnitt im einzigen Freibad der Stadt, dem Hangeweiher, realisieren zu können. Nachdem die Technik und die Schwimmbecken erneuert worden sind, sollen nun die Hochbauten abgerissen und neu errichtet werden. Ersten Kostenschätzungen zufolge liegt das Bauvolumen für den dritten Abschnitt bei rund drei Millionen Euro. Nach Angaben des Presseamts kam vor kurzem dann die Absage, bedauerlicherweise ohne Angabe von Gründen. Nun will sich die Verwaltung um Fördermittel des Landes bemühen: Nordrhein-Westfalen gibt im Programm „Moderne Sportstätte 2022“ insgesamt 300 Millionen Euro aus.

Auch die Stadt Würselen hatte Förderanträge im Rahmen dieses Bundesprogramms gestellt und ist leer ausgegangen. Allerdings bezogen sich die Anträge nicht auf den Bereich Schwimmhalle, sondern auf die Sanierung beziehungsweise den Neubau von kommunalen Sportplätzen und -hallen, wie Stadtsprecher Bernd Schaffrath auf Anfrage sagt. Auch das Alsdorfer Luisenbad ist marode. Als dies festgestellt und der Beschluss zum Neubau einer Schwimmhalle gefasst wurde, war das Sanierungsprogramm des Bundes bereits ausgelaufen, wie Bürgermeister Alfred Sonders mitteilt.

Die Stadt Herzogenrath, wo der Neubau eines zentralen Schwimmbads ansteht, hat keinen Antrag gestellt, sagt der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda: „Der Förderschwerpunkt liegt auf der Sanierung bestehender Bäder.“ In Bezug auf Herzogenrath sei erkennbar gewesen, „dass eine Förderung nahezu unerreichbar bleibt“. Migenda stellt ergänzend fest: „Ich meine, letztlich muss sich ein Förderprogramm an seinem Erfolg messen lassen. Wie hoch die Früchte hier hängen, kann man daran erkennen, wie wenige Kommunen insgesamt und in NRW im Besonderen bislang in den Genuss gekommen sind.“

Im Regierungsbezirk Münster fehlen 45,7 Millionen Euro für die Schwimmbadsanierung, in Köln sind es 41, in Arnsberg 38,7 und in Detmold 7,2 Millionen Euro. Den Regierungsbezirk Düsseldorf trifft es besonders hart: Hier fehlen 55,6 Millionen Euro zur Sanierung der Schwimmbäder. „Es ist ein Armutszeugnis für diese Bundesregierung, dass in einem der reichsten Länder der Welt mittlerweile jede vierte Grundschule keinen Schwimmunterricht mehr anbieten kann, weil die Bäder verfallen und dichtmachen müssen“, kritisierte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen.

„Infolge dieser falschen Politik können 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen“, beklagte Dagdelen. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres seien in NRW 40 Menschen ertrunken. Die Bundesregierung müsse jetzt dringend den Fördertopf aufstocken. „Höchste Zeit, dass auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hier endlich aktiv wird.“

((qua, slg, bea))
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