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Virologe: Schulschließungen wegen Coronavirus „wenig sinnvoll“

Virologe : Schulschließungen wegen Coronavirus „wenig sinnvoll“

Der Essener Virologe Ulf Dittmer hält Schulschließungen als Maßnahme gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus für „wenig sinnvoll“. Kinder seien nicht die hauptgefährdeten und -übertragenden Personen, sagte Dittmer.

„Wir müssen uns vor allen Dingen mit dem Schutz von alten Menschen beschäftigen“, forderte er. Dies habe in Italien nicht stattgefunden. „Die Toten in Italien sind fast alles ältere Menschen.“

Es scheine tatsächlich so zu sein, dass Kinder deutlich weniger betroffen seien, sagte der Wissenschaftler. „Wir sehen weniger Infektionen und weniger schwer verlaufende Infektionen.“ Es gebe Daten von chinesischen Großfamilien, in denen drei Generationen unter einem Dach lebten. Dort seien die Großeltern schwer erkrankt, die Eltern milde erkrankt und in vielen Kindern finde man gar keinen Virus oder nur mit sehr milder Erkrankung. „Offensichtlich gibt es einen Schutzmechanismus in den Kindern.“ Dies sei anders als bei anderen Viruserkrankungen.

Dittmer ist Spezialist für Viruserkrankungen und leitet das Institut für Virologie der Essener Uniklinik.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Freitag mitgeteilt, dass erste Auswertungen für den Covid-19-Erreger zeigten, dass Kinder weniger betroffen sind als Erwachsene und nur selten deutliche Symptome entwickeln. Vorläufige Daten lassen demnach zudem annehmen, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken – Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern.

(dpa)