Schule: In NRW fällt 4,8 Prozent vom Unterricht aus

Schulhalbjahr 2018/19 : In NRW fällt 4,8 Prozent des Unterrichts aus

In NRW fällt 4,8 Prozent des Unterrichts aus. Das hat die erste flächendeckende Erhebung an allen Schulen im Land für das erste Schulhalbjahr 2018/19 ergeben. Das Schulministerium hatte die neue Erhebung des Unterrichtsausfalls eingeführt, zuvor gab es nur stichprobenartige Untersuchungen.

An den Schulen in NRW fällt 4,8 Prozent des Unterrichts aus. Das hat die erste flächendeckende Erhebung an allen 4600 Schulen im Land für das erste Schulhalbjahr 2018/19 ergeben. Über alle Schulformen hinweg fielen 3,3 Prozent der Stunden komplett aus, bei 1,5 Prozent der Stunden hätten die Schüler Aufgaben bekommen und eigenverantwortlich gearbeitet, teilte das Ministerium am Donnerstag mit. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) lobt ihre neu eingeführte Messmethode: „Ein realistischeres Bild vom Unterrichtsaufall in NRW gab es nie!“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert, dass die Erkenntnisse in keinem Verhältnis zum Aufwand stünden. Tatsächlich hatte nach heftiger Kritik an nicht-aussagekräftigen Stichprobenuntersuchungen schon die rot-grüne NRW-Landesregierung ein neues Messverfahren initiiert, das Rollierende System. Dabei mussten Schulen für einen Zeitraum, den sie nicht wählen durften, die Daten für zehn Unterrichtstage angeben. Das Verfahren hatte für das Schuljahr 2017/18 einen Unterrichtsausfall von 5,1 Prozent ergeben – ähnlich dem jetzigen Ergebnis. Die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer stellte gegenüber unserer Zeitung nun die Sinnhaftigkeit der neuen Methode infrage.

Das flächendeckende System, bei dem alle Schulen für jeden Tag den Stundenausfall über eine Software angeben müssen, bereite den Lehrern viel Arbeit. „Ich habe etliche Anträge von Schulleitern auf dem Tisch liegen, die eine Abschaffung fordern.“ Die Schulen hätten Sorge, dass ihre Daten öffentlich würden und der Druck auf sie und der Konkurrenzdruck wachsen könnte. Sie Schulleiter haben Angst um den Ruf ihrer Schulen. Gerade Schulen in Sozialen Brennpunkten hätten es ohnehin schwer, alle offenen Stellen zu besetzen.

Zudem erklärte Schäfer, dass nur die im Stundenplan veranschlagten Stunden erfasst würden. Einige Schulen würden von vornherein weniger Stunden für bestimmte Fächer ansetzten, weil Lehrer fehlen. Das ist möglich, weil Schulen laut Lehrplan selbst entscheiden können, ob sie für Fach X beispielsweise zwei oder drei Stunden pro Woche ansetzen. Das würde dann nicht als Ausfall berechnet, erklärt Schäfer. Das erkläre aber den Eindruck vieler Eltern, dass massiv Unterricht ausfällt.

Laut Gebauer ist ein Großteil des Unterrichtsausfalls auf Lehrermangel zurückzuführen. „Leider hat die Vorgängerregierung die Negativentwicklung jahrelang ignoriert und keine ernsthaften Maßnahmen zur Verbesserung der Lehrkräfteversorgung getroffen. Auch darum habe ich sowohl die Lehrkräfteversorgung, aber auch Lehrkräftegewinnung zu Schwerpunkten meiner Bildungspolitik gemacht“, teilte die Schulministerin mit.

Sven Christoffer, Stellvertretender Leiter von Lehrer NRW, lobt die Bemühungen der Ministerin. „Allein: Die Unterversorgung an Lehrkräften wird man nicht kurzfristig beheben können.“ Er betont, dass insbesondere an Haupt- und Realschulen ohnehin Lehrer fehlen. Melde sich einer krank, sei das nicht aufzufangen. Christoffer sieht die aktuelle Statistik aber als nicht ganz so dramatisch. Schließlich würden fast 97 Prozent der Unterrichtsstunden gegeben. Die Stunden, in denen Eigenarbeit der Schüler geleistet werde, werten sowohl der Verband Lehrer NRW als auch die GEW NRW nicht als Unterrichtsausfall. Schäfer etwa sagte, dass einige Eltern es auch als Unterrichtsausfall werten würden, wenn ein Mathelehrer einen Englischlehrer vertritt. „Das sehe ich aber nicht so. Schließlich wird ja Unterricht erteilt, und die Kinder werden nicht nach hause geschickt.“ Eine gleichwertige Vertretung sei nicht immer möglich.

Damit es überhaupt zu weniger Unterrichtsausfall kommt, erneuert Schäfer ihre Forderung nach einer Vertretungsreserve von acht Prozent. Sprich: An den Schulen sollten mehr Lehrer angestellt sein, als minimal rechnerisch benötigt. Auch Christoffer betonte, dass er von der Landesregierung erwartet, dass die im schwarz-gelben Koalitionsvertrag vereinbarte 105-prozentige Versorgung umgesetzt wird. „Das muss das Ziel sein.“

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