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Düsseldorf: Schützenverband: Schwules Königspaar widerspricht Tradition

Düsseldorf : Schützenverband: Schwules Königspaar widerspricht Tradition

Wieder Ärger bei den Schützen: Nach dem Streit um einen muslimischen Schützenkönig stört sich der Dachverband nun an einem schwulen König, der den Thron gemeinsam mit seinem Ehemann besteigen will. „Es entspricht nicht der Tradition, dass ein Königspaar aus Männlein und Männlein oder Weiblein und Weiblein besteht”, sagte ein Sprecher des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) am Freitag.

Zwar spreche nichts gegen homosexuelle Würdenträger, sagte der Sprecher weiter. Dass der Schützenbruder allerdings nicht bereit sei, eine weibliche Bekannte als Königin zu wählen, um der jahrhundertealten Tradition gerecht zu werden, missbillige der BHDS. Mehrere Medien hatten zuvor über die Diskussion berichtet.

Ungeachtet der Kritik wird Kompaniekönig Udo Figge am Samstag im Düsseldorfer Ortsteil Bilk in sein Amt eingeführt. Für ihn und seine Schützenbrüder sei es selbstverständlich, dass er seinen langjährigen Ehemann zum „Prinzgemahl” wähle, sagte Figge. Dass sich der Dachverband bei dieser Frage nicht öffne, sei wenig zeitgemäß.

Das Paar ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Kompanie - Figge als Mitglied in der Bruderschaft, sein Mann Dirk Jehle im dazugehörigen „Damenclub”, in dem sich ansonsten die Frauen und Verlobten der Schützenbrüder engagieren.

Im vergangenen Jahr hatte ein muslimischer Schützenkönig in dem christlich-konservativen Verband BHDS eine Grundsatzdebatte ausgelöst: Im Kreis Soest hatte der Muslim Mithat Gedik den Vogel abgeschossen, war aber vom BHDS als König zunächst abgelehnt worden. Nach langen Diskussionen über die christlichen Grundlagen des Schützenbrauchtums durfte er König bleiben, wurde aber nicht zu Kreis- und Bundesschützenfesten zugelassen.

Inzwischen zeigt der Verband größeren Reformwillen. So werden derzeit Satzungsänderungen diskutiert, wonach sich der Verband für Andersgläubige und Wiederverheiratete öffnen will. Außerdem sollen Homosexuelle dieselben Mitgliedsrechte bekommen. Inwieweit das auch gleichgeschlechtliche Königspaare umfasst, ist allerdings ungeklärt.

(dpa)