Aachen: Schülerband-Festival „Schooljam“: Von Stolberg aus immer der Sonne nach

Aachen: Schülerband-Festival „Schooljam“: Von Stolberg aus immer der Sonne nach

Etwas verloren sitzt Roman Traidl in der großen Aula des Inda-Gymnasiums in Aachen-Kornelimünster. Mit seinen Freunden will er für den großen Auftritt in Köln proben: Roman hat sich im bundesweiten „Schooljam — Schülerband Festival“ für einen Auftritt am 3. Februar in Köln qualifiziert.

1341 Songs wurden eingereicht, aber nur 120 Solokünstler und Bands konnten sich für die Live-Konzerte in zwölf deutschen Städten durchsetzten. Roman lacht, mit glitzernden grünen Augen, „ich wusste gar nicht wie viele sich da beworben haben. Schon cool!“. Bei dem Wettbewerb wird in vier Etappen Deutschlands beste Schulband gewählt. Der Gewinner darf dann bei zwei der größten deutschen Festivals auftreten, dem „Hurricane“ und dem „Southside“.

„Traveller“ nennt Roman sich, der Reisende. „‚Traveller‘ steht dafür, dass ich nie ein richtiges Zuhause hatte. Mein Vater musste beruflich viel umziehen,“ sagt der 17-Jährige. Der Künstlername kommt also nicht von ungefähr: Roman ist 1997 in Kassel geboren. Als er neun Jahre alt war ging die Familie nach West Bloomfield, eine Vorstadt von Detroit in den USA. Drei Jahre später zog sie für zwei Jahre nach Eisenach, und nun also Stolberg.

Wirken wie ein Profi

Verloren oder entwurzelt wirkt Roman nicht. „Ich bin allein auf dieser Reise, aber keine Sorge: Ich weiß wohin ich will,“ rappt er auf Englisch. Die vielen Umzüge sieht er eher positiv, „vor allem die Zeit in Amerika war schon eine gute Erfahrung! Die verschiedenen Orte haben mich geprägt und beeinflussen heute meine Songs“.

„Schooljam ist der erste Wettbewerb, bei dem ich mich beworben habe.“ Der erste Versuch, mit der Musik etwas zu erreichen. Eines Tages möchte er davon leben können. Davon handeln auch seine Songtexte. Er rappt: „Ich bin nicht der einzige, der es schaffen will. Aber lass‘ Dir von niemandem vorschreiben, was Du tun sollst. Du hast Dein Leben in Deinen eigenen Händen“ — und da ist er, der amerikanische Traum. Roman will es schaffen. „Trotzdem ist der Spaß das Wichtigste. Ich würde niemals meinen Stil für Ruhm aufgeben. Das hat mich bei vielen Musikern zu sehr enttäuscht.“

Außerdem will Roman erst mal das Handwerk zu seiner Musik erlernen. „Ich werde studieren. Tontechnik, um das alles professioneller zu machen, eigene Beats bauen zu können.“

„Test. Test“, hallt es durch die ansonsten menschenleere Aula. Peter Volkhardt ist an diesem Tag Romans Discjockey (DJ), Etienne Koschmieder wird mit Roman auf die Bühne gehen, als zweiter Rapper. Der vierte im Bunde, Laurin Melms, kümmert sich um die technischen Details. Sie sind voll bei der Sache: DJ-Pult aufbauen, an das Soundsystem der Aula anschließen und die Mikros prüfen.

Der erste Auftritt vor Publikum, ein Interview mit unserer Zeitung und 30 Freunde, die den 17-jährigen voller Hoffnung zum Bühnenauftritt nach Köln begleiten wollen. Da kann man schon nervös werden. „Bin ich auch“, sagt der schmächtige blasse Junge und lächelt. Verlegen fährt er sich mit der Hand über den Hals, zupft dann an seinem rot-blau karierten Holzfällerhemd. Schnell fängt er sich wieder, schiebt seine Ray Ban zurecht. Roman will wirken wie ein Profi: Sein Gesicht bleibt ernst, seine Stimme ruhig und dunkel.

Die Ruhe selbst. Nur sein linkes Bein, das wippt unentwegt auf und ab. Wie passend, dass „Traveller“ sich ausgerechnet mit seinem Lied „Tap your feet“ für den Auftritt in Köln qualifiziert hat. „Die Entscheidung, das Lied für den Wettbewerb einzureichen, war einfach. Ein DJ aus Berlin hat mir den Beat geschickt — den fand ich super. Dann habe ich das Lied auf Soundcloud gestellt und ‚Tap your feet‘ hat von meinen Songs die meisten Likes, die besten Reaktionen erhalten.“ Romans rechtes Bein wippt rhythmisch weiter.

Seine Liebe zur Musik entdeckte Roman in Amerika. Mit elf Jahren fing er an, Gitarre zu spielen und gründete mit Freunden eine Band. „Dann habe ich gemerkt, dass ich gar nicht singen kann...“ sagt Roman, lacht und zuckt mit den Schultern.

„Nicht so schlimm, ich kann ja rappen und texten. Das verarbeiten, was mich bewegt.“ Der Sprechgesang erlaubt ihm, mit Sprache zu spielen, das eigene Leben in Reime zu fassen. „Mit dem Rappen habe ich vor zwei Jahren begonnen. Mein Bruder hat gerappt, das fand ich gut. Der österreichische Rapper ‚Left Boy‘ hat mich musikalisch inspiriert.“ Der Musiker ist für seine Verbindung von Rap und Dubstep bekannt. In diese Richtung ist auch Roman mit „Tap your feet“ gegangen.

Er will so oft wie möglich vor Publikum singen, so oft wie möglich proben, bevor er in Köln gegen die neun anderen Bands aus Nordrhein-Westfalen antritt und das erste Mal richtig im Rampenlicht steht. Auf der Bühne in der Aula ist er im ersten Moment etwas leise. Wieder fängt er sich innerhalb von Sekunden, „I am a traveller who‘s following the sun“.

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