Schüler verschickt Gewaltvideos: Eltern scheitern am Verwaltungsgericht

Vom Unterricht ausgeschlossen : 13-Jähriger verschickt Gewaltvideos

Es war Ende Januar, als die Schulleitung über den schrecklichen Vorgang informiert wurde. Schüler einer 7. Klasse in unserer Region hatten auf ihren Smartphones nicht nur extreme Gewaltvideos und gewalttätige pornographische Videos gespeichert, sie leiteten die gewaltverherrlichenden Aufnahmen auch an andere Schüler weiter.

Einige der Videos tauchten im WhatsApp-Klassenchat auf und wurden in den Pausen gleich in Gruppen angeschaut. In einem Fall war ein Enthauptungsvideo zu sehen, auch die anderen Video waren kaum zu ertragen, sagen Zeugen.

Die Schulleitung ermittelte, führte Gespräche mit verdächtigen Schülern. Schließlich schloss die Schulleiterin einen 13-Jährigen für zwei Wochen bis zum 22. März vom Unterricht aus. Gegen das Verbot wehrte sich der 13-Jährige am Mittwoch mit einem Eilantrag beim Aachener Verwaltungsgericht – und scheiterte. Er reklamierte vergeblich, dass er nur andere, deutlich harmlosere Videos verbreitet habe.

Seine Eltern glaubten ihm, die Richter nicht. Sie orientierten sich unter anderem an einem Gesprächsprotokoll, aus dem hervorgeht, dass der Junge gegenüber drei Lehrkräften zugegeben habe, mehrere gewaltverherrlichende und -pornographische Videos im Klassenchat geteilt zu haben. Andere Schüler hätten das bestätigt.

Die 9. Kammer ging jedenfalls von einer Pflichtverletzung aus, die eine Ordnungsmaßnahmen wie den vorübergehende Ausschluss vom Unterricht rechtfertige. „Der Inhalt dieser Videos sei derart verstörend, dass nicht nur die Mitschüler des Antragstellers hiervor zu schützen seien, sondern ihre Verbreitung auch der Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Schule diametral entgegenstünden“, steht in dem ablehnenden Beschluss.

Der zweiwöchige Unterrichtsausschluss sei durchaus verhältnismäßig, auch wenn sich die Maßnahme am oberen Rand des Strafmaßes bewege, das das Schulgesetz setze. Zu berücksichtigen sei die enorme Schwere der Pflichtverletzung sowie das Ausmaß, mit dem der ordnungsgemäße Schulbetrieb und die Rechtsgüter anderer Mitschüler beeinträchtigt worden seien. Dieser enorm gestörte Schulfrieden in den letzten Wochen, sei auch der Grund, warum man keine Angaben zur Schulform oder zum Schulort machen werde, sagt ein Sprecher des Verwaltungsgericht.

Der junge Mann kann gegen den Beschluss nun Beschwerde einlegen, über die das Oberverwaltungsgericht Münster entscheiden würde. Der Unterrichtsausschluss bedeutet ohnehin nicht, dass er nun schulfrei hat. Vielmehr muss er sich morgens an seiner Schule die Tagesaufgaben abholen, sie zu Hause erledigen, sie am nächsten Tag abgeben und sich neue abholen.