Eschweiler: Schockstarre nach Tragödie: Kind stirbt bei Willkommensfest

Eschweiler: Schockstarre nach Tragödie: Kind stirbt bei Willkommensfest

Es war als beispielhafte Aktion geplant und endete in einer schrecklichen Tragödie: Beim Willkommensfest für Flüchtlinge am Eschweiler Blausteinsee starb am Mittwochnachmittag ein dreijähriger Junge aus dem Irak. Er war von einem umkippenden Blumenkübel am Kopf getroffen worden.

Vergeblich kämpften die Ärzte am Seerestaurant und später im Uniklinikum um das Leben des Kindes. Staatsanwalt Jost Schützeberg sieht keine Hinweise für Fremdverschulden.

Auch am Tag nach dem grausamen Unfall sind Psychologen und Dolmetscher in der Eschweiler Jahnhalle, die als Erstunterkunft für 150 Menschen von der Stadt Eschweiler eingerichtet wurde. Dort hat der verunglückte Junge mit seinem neun Jahre alten Bruder und seinen Eltern die vergangenen dreieinhalb Wochen verbracht.

Die Flüchtlingsfamilie aus dem Irak war zuvor in Hamm untergekommen und von dort nach Eschweiler gebracht worden, wo sie auf die Zuweisung zu einer Stadt wartete. Ihre Feldbetten in der Jahnhalle sind inzwischen leer. Die Stadt hat die Familie zu Verwandten ins Ruhrgebiet gefahren — auch dort wird sie psychologisch betreut.

„Alle haben geschrien!“

Was sich genau auf der Terrasse des Seerestaurants ereignete, kann niemand beschreiben. Nach wie vor stehen alle unter Schock. Niemand kann so recht in Worte fassen, was sich am Mittwoch gegen 16 Uhr ereignete. Die Flüchtlinge nicht, die Organisatorin des Festes nicht — auch nicht die Familie, die das Seerestaurant betreibt. Die Erwachsenen tanzten und sangen, die Kinder tollten auf dem Platz vor dem Restaurant.

Die Augen waren auf einen Ballonkünstler im Clownkostüm gerichtet, der zum Abschluss des Willkommensfestes auftrat, als plötzlich ein etwa 1,40 Meter hoher Pflanzenkübel umstürzte und den Dreijährigen am Kopf lebensgefährlich verletzte. Ob der Junge sich auf die Taue zwischen den Kübeln setzte oder ob etwas anderes ihren Sturz auslöste, war am Donnerstag noch unklar.

Was danach herrschte, beschreibt ein Augenzeuge als „schreckliche Panik“. „Alle haben geschrien!“ Krankenwagen und Hubschrauber waren wenige Minuten nach dem Unglück vor Ort. Im Uniklinikum Aachen kämpften Ärzte verzweifelt um das Leben des Jungen. Vergeblich.

Obwohl die Staatsanwaltschaft Aachen nicht von einem Fremdverschulden ausgeht, laufen die Ermittlungen am Blausteinsee. Neben Polizei waren auch Gutachter vor Ort. Die Obduktion des Kindes wurde angeordnet, um die genaue Todesursache zu ermitteln. Die Blumenkübel am Restaurant sind mit Metall-Winkeln am Boden befestigt und mit Tauen verbunden, um die Terrasse in Abschnitte zu teilen.

Drei Busse holten die Flüchtlinge nach dem Fest am Blausteinsee ab. Plangemäß kurz vor 17 Uhr, eine Stunde nach dem Unglück. Dies war das Ende eines Festes, das unbeschwert begann und in einer unvorstellbaren Tragödie endete.

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