Bilder im Darknet veröffentlicht : Schneller Ermittlungserfolg nach Kindesmissbrauch

Bilder im Darknet veröffentlicht : Schneller Ermittlungserfolg nach Kindesmissbrauch

Über eine sogenannte Schulfahndung haben die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt (BKA) einen 45 Jahre alten Mann aus Unna identifiziert, der seine Nichte seit ihrem sechsten Lebensjahr missbraucht und Bilder im sogenannten Darknet verbreitet haben soll.

Der entscheidende Hinweis kam nach Angaben der Ermittler wenige Stunden, nachdem die Fahndung in Nordrhein-Westfalen am Dienstag begonnen hatte. Generalstaatsanwaltschaft und BKA hatten dafür den Grundschulen des Landes nichtpornografische Fotos des Opfers zugeleitet, um es identifizieren zu können. Der Verdächtige - der Onkel des Mädchens - wurde verhaftet, wie die Ermittler am Donnerstag mitteilten.

Der 45-jährige Deutsche soll in den Jahren 2016 bis 2018 seine, in dem Zeitraum 6 bis 7-jährige Nichte mehrfach, unter anderem schwer sexuell missbraucht haben. Aufnahmen davon stellte er demnach ins Darknet, den verborgenen Teil des Internets. Nachdem die Behörden die Bilder des Mädchens entdeckt hatten und es nicht identifizieren konnten, starteten sie nach einem richterlichen Beschluss die „Schulfahndung“. In Etappen wurden in einzelnen Bundesländern seit September Fotos des Mädchens an Grundschulen verschickt, wie die Ermittler berichteten. Am 10. September über den landeseigenen Schulserver an die Schulen in NRW.

„Die Hinweise zweier Lehrkräfte führten schließlich zur eindeutigen Identifizierung des Opferkindes und anschließend des Beschuldigten“, so die Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Mannes aus Unna am gleichen Tag seien „zahlreiche Beweismittel, insbesondere Computer und Datenträger“ sichergestellt worden. Der Mann wurde am Mittwoch einer Richterin vorgeführt, die Untersuchungshaft anordnete.

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ist Ansprechpartner des BKA für Internetstraftaten, solange noch nicht klar ist, wo sich ein Tatort befindet. So auch im aktuellen Fall, in den nach Identifizierung des Mannes die Kreispolizei Unna eingebunden wurde.

Das Instrument der „Schulfahndung“ ist laut einem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft „nicht mehr allzu neu“. Es werde angewendet, wenn man den Verdacht habe, dass das Kind weiter missbraucht wird - und man daher schnell handeln müsse. Je nach Bundesland werden die Lehrerinnen und Lehrer verschieden über die Fahndungen informiert. In Nordrhein-Westfalen geschehe dies über den landeseigenen, geschlossenen Schulserver.

(dpa)
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