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Aachen: Schmerz kann Alarmsignal des Körpers sein

Aachen : Schmerz kann Alarmsignal des Körpers sein

Im Grunde genommen ist es genau das Thema, das fast immer Gegenstand beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Aachener Universitätsklinikum ist.

Ob Kopf-, Rücken-, Gelenk- oder Bauchschmerzen - in den mittlerweile 70 Expertenrunden haben die Neben- und Folgeerscheinungen des Schmerzes mit all ihren Variationen ihren Platz gefunden.

Bei der 71. Auflage traf AZ-Redakteurin Sabine Rother nun auf fünf Experten, die dem Schmerz selbst auf den Zahn fühlten und für möglichst viele Betroffene wirksame Therapiemöglichkeiten aufzeigten. Wichtig: Schmerzen sollte man ernst nehmen und vor allem nicht immer wieder einfach ohne ärztliche Begleitung zur Tablette greifen!

Ganz subjektiv

In der Praxis des Aachener Allgemeinmediziners Dr. Hans Geller ist es an der Tagesordnung, dass die Patienten montags in seine Sprechstunde kommen und dann über die ganze Woche verteilt mit den unterschiedlichsten Schmerzformen behandelt werden.

Dass der Schmerz an sich, wie die Mediziner erklärten, eigentlich nur in unserem Gehirn passiert und ein ganz subjektives Erlebnis darstellt, ist dabei auf den ersten Blick ernüchternd.

„Aber denken Sie nicht, dass der Schmerz nur als Einbildung abzutun ist”, beruhigte der Aachener Neurologe Dr. Frank Bergmann, der vor allem die Unterschiede zwischen sinnvollem Schmerz, der als körpereigenes Alarmsignal fungiert, und sinnlosem Schmerz, der sich als chronisches Symptom schnell zum Problem wandeln kann, aufzeigte.

So gibt es neben noizeptiven Schmerzen (z.B. durch Verbrennungen) und neuropatischen Schmerzen (Nervenschäden, Migräne etc.) auch Schmerzen ohne ersichtliche Gründe. Das Ergebnis ist ein ganz „individueller Schmerz”, der sich zwar beschreiben und sogar bildgebend lokalisieren, aber letztlich in seiner Intensität nicht verbindlich messen lässt. Denn der Schmerz ist eine Art „Kommunikation der Zellen untereinander” und nicht als oberflächliche Aktivität zu sehen.

Tröstlich, dass trotzdem eine Therapie möglich ist. Für Dorothea von der Laage, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie und Leiterin der Schmerzambulanz am Klinikum, ist vor allem der „verselbstständigte” und damit sinnlose Schmerz alltäglich, wenn aus einem schmerzhaften Dauerzustand ein ganz eigenes chronisches Krankheitsbild entsteht und der Schmerz allein durch das „Schmerzgedächtnis” aktiviert ist.

Und dass, obwohl keine Schmerzursache mehr vorhanden ist. Schwer zu therapieren von den rund sieben Millionen Schmerzpatienten in Deutschland sind mehr als 600.000 Betroffene. Das „multimodale Konzept” ist hier der Ansatz. Die Mischung aller bio-psycho-sozialen Komponenten aus Medikamenten, Physiotherapie, Akupunktur, Entspannungsverfahren und Psychotherapie muss dabei genau auf den Fall abgestimmt werden.

Auch für Dr. Claudia May, Oberärztin am Aachener Luisenhospital, bietet gerade die Anwendung von alternativen Methoden wie Akupunktur, eingebettet in das umfassende Konzept der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), gute Möglichkeiten. Wichtig nur, dass man den richtigen Akupunkteur findet. Hierzu sollte man sich an die Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für TCM wenden.

Wenn etwas schmerzt, was gar nicht mehr vorhanden ist, spricht man allgemein vom „Phantomschmerz”. Dr. Arpád Jendralski, ärztlicher Leiter der Aachener Rehaklinik „An der Rosenquelle”, verdeutlichte, dass in Folge einer unfallbedingten oder immer häufiger als Folge von Durchblutungsstörungen („Raucherbein”) oder Diabetes vorgenommenen Amputation Schmerzen auftreten können, deren Ursache aber unklar sind.

„Diese neuropatischen Schmerzen sind nicht nur eine Qual, sondern ebenfalls sinnlos”, so Jendralski. Studien belegen, dass aber gerade die Hirnareale besonders aktiv sind, in denen eigentlich keine Signalbindung mehr existiert. Damit ist also eine funktionelle und strukturelle Veränderung im Gehirn entstanden. Erleichterung bieten hier Medikamente, aber auch das Tragen einer Prothese kann helfen.

Heiß diskutiert in der Publikumsrunde war die Frage nach Nebenwirkungen und Folgen der oft leichtfertigen Selbstmedikation. Die einfache Lösung: Zum Arzt gehen und die Warnsignale des Körpers ernst nehmen - bevor sie sich verselbstständigen!