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Aachen: Schiedsverfahren um „Strafzölle” endet mit Vergleich

Aachen : Schiedsverfahren um „Strafzölle” endet mit Vergleich

Das Tischtuch zerschnitten, die Fetzen flogen, es wurde heftig gestichelt, kaum eine Spitze versäumt - und schließlich umgarnt der eine den anderen doch. Der Stoff hielt das Bistum Aachen monatelang auf Trab: Mehr als 100 Pfarren hatten Bischof Heinrich Mussinghoff die Gefolgschaft verweigert.

Der Streit um „Strafzölle” und neue vom Generalvikariat aufgezwungene kostenpflichtige Buchhaltungssoftware trieb über 100 von 540 Pfarren ins Aktionsbündnis „Kirche vor Ort” und zwei Dutzend vor das diözesane Schiedsgericht. Man lehnt nicht nur die Verwaltungszentren ab, die für möglichst alle Gemeinden die Verwaltungsgeschäfte übernehmen sollen.

Man will sich auch nicht vorschreiben lassen, mit welcher Software man in den eigenen Pfarrbüros arbeitet. Das Bistum stellt auf Datev um, viele Pfarren stehen auf KFW.

Schlichter Professor Peter Roggendorf hat für die Streitparteien einen Vergleich gestrickt, der halten soll - obwohl die Widerrufsfrist noch bis 24. Juni läuft. Das Strickmuster: Im Pilotverfahren erklärte sich die klagende Pfarre St. Gertrud (Herzogenrath) nun doch bereit, alle Buchhaltungsdaten so aufzubereiten, dass die vom Generalvikar verlangten Leistungsanalysen in der Bistumszentrale am Klosterplatz machbar sind.

Im Gegenzug gab das Bistum im Hauptstreitpunkt nach: Jede Pfarre darf auf jede Software zurückgreifen, die über eine Schnittstelle den Anschluss an Datev und TN-Planning (die zentralen neuen Systeme des Bistums zur doppelten Buchführung) ermöglicht. Ein Testlauf hatte erwiesen, dass der Datenfluss funktioniert. Bonbon für die Pfarren: Das Bistum zahlt nicht nur dem, der möchte, den neuen Datev-Anschluss, sondern für die anderen, die weiter eigenständig verwalten, auch die bis zu 10.000 Euro teure Schnittstelle. Und: Alle Schulungen für die moderne EDV-Buchhaltung gibt´s jetzt gratis.

„Der Vergleich zeigt: Man nimmt uns endlich ernst”, resümierte Bündnissprecher Holger Brantin am Freitagabend. Und St. Gertruds Kirchenvorstand Franz-Peter Reinartz konnte sein Glück kaum fassen: „Ich dachte, ich träume. Schön! Wir haben wieder eine Basis gefunden”, lobte er die Kompromissbereitschaft des Bistums.