Ein pragmatischer Grenzgänger: Scheidender Bürgermeister von Kerkrade bleibt vorerst im Amt

Ein pragmatischer Grenzgänger : Scheidender Bürgermeister von Kerkrade bleibt vorerst im Amt

Niemals geht man so ganz, heißt es, und Jos Som bleibt sowieso erst einmal auf Posten. „Ab dem 1. Januar bin ich mein eigener Nachfolger“, sagt der scheidende und bleibende Bürgermeister von Kerkrade. Dem Dreiländereck bleibt somit vorerst ein pragmatischer Grenzgänger erhalten, der lange Zeit die nachbarschaftlichen Sitten mit geprägt hat.

Vor allem in Eurode, dem symbolischen Europastadt-Konstrukt aus dem deutschen Herzogenrath und dem niederländischen Kerkrade, hat Som Spuren hinterlassen. An der Spitze des Zweckverbands wechselt er sich mit seinem Herzogenrather Bürgermeister Christoph von den Driesch alle zwei Jahre ab. Für den deutschen Kollegen sei das vielleicht nicht immer leicht, sinniert Som schmunzelnd. „Ich sage immer, wir machen es nach deutschem Gesetz oder nach niederländischem Gesetz oder notfalls ohne Gesetz.“ Von den Driesch fühle sich dann unbehaglich, „der ist Jurist“.

Und irgendwie haben es die Eurode-Leute geschafft, die Staatsgrenze einigermaßen aufzuweichen. Die Mauer, die einst die deutsche Neustraße von der niederländischen Nieuwstraat trennte, verschwand zu Beginn der Nullerjahre, am Anfang von Soms erster Amtszeit. Am Ende der Straße steht nun das Eurode Business Center genau auf der Grenze und erstreckt sich auf die deutsche ebenso wie auf die niederländische Seite. 

Gleiche Probleme in der Euregio 

„Aber es gibt eben diese Grenze“, sagt Som, „und es gibt die Probleme damit“. In steuerlichen Angelegenheiten etwa oder bei der Altersversorgung hätten es Grenzgänger nicht eben leicht. Um es leichter zu machen, müsse man zusammenarbeiten, meint Soms, die Menschen in der Euregio hätten schließlich dieselben Probleme. „Die brauchen alle ein Dach über dem Kopf, einen Job …“ Der deutsche Arbeitsmarkt sei auch für die Kerkrader wichtig, weil viele jenseits der Grenze ihren Lebensunterhalt verdienten. Bei den Personalproblemen in den Kindertagesstätten auf deutscher Seite könnten die niederländischen Nachbarn aushelfen, meint Som, die hätten genügend Erzieherinnen. Wichtig sei natürlich die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen, was in vielen Berufen doch eigentlich kein Problem sein dürfte. Bäcker und Metzger würden doch ihr Handwerk beherrschen, meint Som, auf beiden Seiten der Grenze. 

Der Stadt den Stolz zurückgeben 

Um solche Dinge zu regeln, muss eine Verwaltung nach Soms Ansicht auch mal Risiken eingehen. „Man darf nicht immer zu lange nachdenken und Zeit vertrödeln“, sagt er, „Perfektionisten verpassen den Anschluss.“ Auch lange Debatten über die Finanzierung von Projekten mag er nicht. „Wir sollten nicht immer fragen, was es kostet“, sagt er, „sondern was es uns wert ist.“

So betrachtet, dürfte die Modernisierung des Kerkrader Stadtzentrums es wert gewesen sein. Es sei darum gegangen, der Stadt ihren Stolz zurückzugeben, sagt der Bürgermeister. Mit dem Ende des Bergbaus in den 1960er Jahren habe rund die Hälfte der Einwohner ihre Arbeit verloren, der Niedergang sei auch dem Stadtbild anzusehen gewesen. „Alles war alt und kaputt.“

Heute sieht Kerkrade im Kern so aus wie eine gepflegte Mischung von alten und heimeligen südlimburgischen Wohnhäusern und neuen Architektenentwürfen. Im HuB Kerkrade unweit des Marktes sind Theater, Bibliothek, Musik- und Tanzschule untergebracht, „das ist ein Treffpunkt für alle“, sagt Som. Es gibt den Gaia-Zoo, das Freizeitzentrum LeisureDome, den Museumplein oder auch den einzigen botanischen Garten der Provinz Limburg. „Ich will eine Stadt, wo Leben herrscht“, sagt der Bürgermeister. Eine „Familienstadt“ soll es sein, „in der die Generationen füreinander sorgen“. 

Jos Som kann noch ein Weilchen weiter daran arbeiten. Erst im Herbst hatte die Stadt begonnen, einen Nachfolger „mit guten Deutschkenntnissen“ zu suchen. Dabei müsste es laut Som in Eurode auch ohne funktionieren. „Jeder spricht hier seine Sprache, und alle verstehen sich.“

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