Düsseldorf: Schau für Nachkriegs-Künstler Joseph Fassbender

Düsseldorf: Schau für Nachkriegs-Künstler Joseph Fassbender

Mit einer Ausstellung zu Joseph Fassbender (1903-1974) lenkt die Galerie der Düsseldorfer Kunstakademie die Aufmerksamkeit auf einen in Vergessenheit geratenen Künstler der Nachkriegszeit.

Die von Freitag an geöffnete Schau präsentiert rund 80 Werke des einstigen Akademieprofessors, von dem zahlreiche Werke vom Teppich über Holzreliefs und Glasfenster bis zum Wandbild im öffentlichen Raum existieren.

Fassbender zähle zu den Künstlern, die durch die historischen Umstände bedingt „fast eine halbe Generation ihres Werks verloren haben”, sagte Sammlungsleiter Siegfried Gohr am Donnerstag in Düsseldorf. Fassbender war von 1958 bis 1968 Professor an der Kunstakademie. Die Ausstellung ist bis zum 7. Februar 2010 zu sehen.

„Kontinuierlich loslegen” konnte der in Köln beheimatete Künstler erst nach 1945 mit einem ebenso abstrakt vom Informel wie Tachismus beeinflussten wie - nahe an Pablo Picasso - figurativen Werk. Das, so Gohr, „war zur Wirkungszeit des Künstlers berühmt” und wurde mit Preisen und einer dreifachen documenta-Teilnahme bedacht.

Neben den zahlreichen Zeichnungen, die - wie „Giocco della penna” (Stift-Spiel) - zeigen, dass die Linie und das Suchen nach Struktur und Form für Fassbender eine zentrale Rolle spielte, sind Gemälde zu sehen. Aus der Nähe betrachtet scheinen sie abstrakte „Puzzles” aus Farbe, Form, Fläche und Struktur zu sein.

Aus der Ferne verwirren sie durch ihre erzählerische Note, in denen Landschaften auftauchen, die von Figuren und Gegenständen bevölkert scheinen. „Für die Verkäufer des Mondes” heißt ein Werk, in dem die Welt aus den Fugen geraten scheint. Monumental ist das Triptychon - ebenso mahnendes Schlachtengetümmel wie Anklage der Zertrümmerung der Welt und ihrer Ordnung.

Des weiteren dokumentiert wird Fassbenders Tätigkeit als angewandter Künstler und Grafiker. Das Spektrum reicht vom Buch- und Heftumschlag bis zu sehenswerten Plakaten, bei denen es mit einem stilisierten Kuhkopf, der gierig eine lange rosa Zunge zeigt, mal um Margarine-Reklame geht und auch um Politik.

„Ohne Freiheit bist Du Zeug” heißt ein solches Statement aus dem Jahr 1950, mit dem Fassbender sich an einem Wettbewerb des damaligen Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen beteiligte. Thema des Blattes, auf dem Zange und Schraubschlüssel die Konturen eines Arbeiters bilden: Die Entindividualisierung im Sozialismus.

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