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Samurai-Prozess: Ein Schwertstich von einem Ohr bis zum anderen

Attacke mit dem Samuraischwert : Ein Schwertstich von einem Ohr bis zum anderen

Als die Polizisten vor der Tür standen, hatte Pascall K. das Samuraischwert noch in der Hand. Was vorher in der Wohnung in Hückelhoven geschehen ist, muss äußerst grausam gewesen sein. Klar ist, dass Igor B. in dieser Nacht im April starb.

Pascall K. soll mindestens 37 Mal mit dem Samuraischwert auf ihn eingeschlagen und eingestochen haben. Erst als die Beamten mit ihren Pistolen auf K. zielten, legte er das Schwert auf den Boden.

Seit Dienstagmorgen sitzt Pascall K., 47 Jahre, auf der Anklagebank im Landgericht Mönchengladbach. Er hat die Kapuze seines blauen Pullovers übergezogen und hält sich eine rote Aktenmappe vor das Gesicht. Es dauert ungewöhnlich lange, bis Richter Lothar Beckers die Sitzung der 7. Großen Strafkammer eröffnet. Solange darf der Angeklagte gefilmt und fotografiert werden. Weil er das nicht will, hält er die Mappe hoch. Seine Hände zittern bereits.

Pascall K., der mutmaßliche Täter, und Igor B., das Opfer, müssen sich recht gut gekannt haben. Es ist zu hören, dass beide gerne Schach gespielt haben. Igor B. muss das Spiel sogar sehr gut beherrscht haben. Der Deutsche Schachbund führt ihn als einstigen Deutschen Amateurmeister in seinen Siegerlisten. Möglicherweise kannten sie sich vom Schachclub. In der Tatnacht sollen K. und B. dann gemeinsam in K.s Wohnung gegangen sein, um dort Alkohol zu trinken, wie es Oberstaatsanwältin Carola Guddat darstellt. Sie waren alleine in der Wohnung. Und es muss eine große Menge Alkohol geflossen sein.

Der Angeklagte K. hält die Mappe noch immer hoch. Sein Anwalt Felix Menke beugt sich zu ihm herunter. Er redet auf ihn ein. Was er sagt, ist nicht zu verstehen. Geht es um K.s Aussage, um die Frage, ob er aussagt, um die Frage, ob der Anwalt für ihn reden soll? Menke sagt später, dass K. im Laufe des Verfahrens schildern will, was er noch weiß. An den konkreten Tathergang könne sein Mandant sich jedoch nicht erinnern, sagt Menke.

Die Staatsanwaltschaft hat Folgendes rekonstruiert: In der Tatnacht sei es gegen 5.45 Uhr zu einem Streit zwischen K. und B. gekommen. Unvermittelt und ohne nachvollziehbaren Anlass. K. soll dann zu seinem Samuraischwert gegriffen haben und damit mindestens 37 Mal auf seinen Bekannten eingeschlagen und eingestochen haben. Das Opfer habe dabei 28 tiefgehende Verletzungen an Kopf, Nacken und Schultern davongetragen. „Eine Verletzung ging von Ohr zu Ohr und durchtrennte die gesamte Nackenmuskulatur“, sagte Guddat. Igor B. hat sich gewehrt. Er hatte starke „Abwehrverletzungen“ an den Händen. Geholfen hat es ihm nicht. Er starb noch in der Wohnung.

So liest es Guddat an diesem Morgen im Saal A100 des Landgerichts aus der Anklageschrit vor. „Er nahm den Tod mindestens billigend in Kauf“, sagt sie. Der Vorwurf lautet auf Totschlag, weil K. sein Opfer im „Zustand verminderter Schuldfähigkeit“ getötet haben soll, „ohne ein Mörder zu sein“. Um 7.27 Uhr des Tatmorgens wurde K. eine Blutprobe entnommen. Die Blutalkoholkonzentration lag bei 2,82 Milligramm pro Liter.

Angesetzt sind zunächst sieben weitere Verhandlungstage. Neben der Aussage des Angeklagten K. sollen auch Tonaufzeichnungen vom Notruf, den der mutmaßliche Täter selbst abgesetzt hat, vorgespielt werden. Richter Beckers geht davon aus, dass die Samuraischwert-Attacke während des Anrufes noch im Gange gewesen sein könnte.