Aachen: Samstag quert ein Tagebau-Gigant die A61

Aachen: Samstag quert ein Tagebau-Gigant die A61

Auf Kommando über Funk setzen sich mehr als 5000 Tonnen in Bewegung. Ratternd fährt das riesige Gerät los. Breite Furchen graben die Ketten des 57 Meter hohen Tagebaugerätes in den knirschend Kies. Der Absetzer 756 hat die zweite Etappe seiner Reise aus Bergheim nach Hambach angetreten.

Der frühere Tagebau ist vollständig verfüllt, künftig soll der Absetzer auf der Innenkippe in Hambach arbeiten. Ihm voraus fährt sein ständiger Begleiter, der Bandschleifenwagen 946 - eigentlich ein Teil des Absetzers, da beide zusammen arbeiten. Insgesamt ist die zweite Etappe zwölf Kilometer lang.

Auf seinem Weg muss der Gigant einige Hindernisse überwinden. Die erste große Herausforderung, die Überquerung der Erft bei Glesch, liegt gerade hinter ihm. „Es ist immer schwierig, Wasser so zu kanalisieren, dass schweres Gerät transportiert werden kann,” erklärte Manfred Lang, Pressesprecher von RWE Power. Für die Überfahrt hatten Arbeiter den Fluss mit Wasserbausteinen und Kies zugeschüttet. Das Wasser floss währenddessen durch Rohre, die neben dem Fluss fest eingebaut sind. Zwar ist die Erft an der Stelle nicht besonders breit, dennoch brauchte der Absetzer etwa zwei Stunden, um den Fluss zu überqueren. Schließlich legt der Gigant in der Minute gerade mal neun Meter zurück.

Im Tagebaubetrieb steuern drei Arbeiter den Absetzer. Auf seiner Reise wird das Tagebaugerät von 30 Leuten begleitet. Die Fahrer benötigen ständig die Unterstützung der Einweiser. Lang: „Unser Absetzerführer, Peter Dressler, fährt eigentlich verkehrt herum.” Seine Kabine befindet sich an der Rückseite des Gerätes. Daher wird er ständig über Funk von den Kollegen am Boden eingewiesen.

Die anderen Teammitglieder überprüfen, ob technisch alles in Ordnung ist, und die Kolonne der Elektriker kümmert sich um die Stromversorgung. Im Grunde hängt der Absetzer wie ein Staubsauger an der Steckdose. „Allerdings ist die Spannung bei uns etwas höher als bei einer normalen Steckdose. Wir arbeiten nicht mit 230, sondern mit 25.000 Volt”, erklärt Lang. Während der Fahrt wird das 1000 Meter lange Kabel des Absetzers mehrmals auf- und abgerollt sowie umgesteckt.

Um diese logistische Meisterleistung zu schaffen, muss das Team gut aufeinander abgestimmt sein. Transportleiter Joachim Witzel hat vollstes Vertrauen in seine Leute. „Hier kann sich einer auf den anderen verlassen, so wie im normalen Tagebau auch.” Sein „Highlight” auf der Reise des Ungetüms: Die Überquerung der Autobahn 61.

In der Nacht auf Sonntag, 30. August, soll der Gigant bei der Kläranlage in der Nähe von Elsdorf über die Autobahn rollen. Schon vor Wochen haben Raupenfahrzeuge rechts und links der Fahrbahn zwei große Rampen aufgeschüttet. Am Samstag soll die Autobahn dann ab 19 Uhr gesperrt und mit Kies zugeschüttet werden. „Das Material muss sehr tragfähig sein, damit das Gerät gleichmäßig über die Fahrbahn rollt und diese nicht beschädigt wird,” sagte Witzel. Laut Zeitplan wird der Gigant dann bis Mitternacht auf der anderen Seite ankommen. Am nächsten Morgen soll die Autobahn wieder frei sein.

Für Witzel ist das nicht die erste Überquerung einer Autobahn mit schwerem Gerät. „Ich habe 2001 an derselben Stelle die Überführung eines Schaufelradbaggers überwacht, der von Hambach nach Garzweiler unterwegs war.”

Auch Pressesprecher Lang schaut dem Ereignis entgegen. Er erwartet an dem Abend eine große Zuschauermenge „Damit sind wir vollkommen einverstanden. Solange niemand die abgesperrte Trasse betritt, dürfen sich die Zuschauer überall aufhalten, auch auf der Fahrbahn.” Er bevorzugt aber einen anderen Aussichtspunkt. Sein Tipp: „Die beste Sicht hat man von der Autobahnbrücke der B477. Hier kommt die Beleuchtung der schweren Geräte eindrucksvoll zur Geltung.”

Ablauf des Transports und Anfahrtsweg

Höhepunkt des Transports von Absetzer 756 ist die Überquerung der Autobahn 61 in der Nacht auf Sonntag, 30. August, in der Nähe von Elsdorf. Am 2. September soll der Absetzer an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Tagebau in Hambach, ankommen.

Bereits Samstag, 12 Uhr, wird der Verkehr auf der Autobahn 61 in beiden Richtungen auf eine Fahrbahn verengt. Ab 19 Uhr geht zwischen Bedburg und Bergheim nicht mehr. Die Vollsperrung wird am Sonntag, 8 Uhr, aufgehoben.

Ab der Autobahnausfahrt Bergheim wird der Weg zur Trasse ausgeschildert. Von Bedburg aus sollen die Zuschauer den Umleitungshinweisen folgen. RWE will in der Nähe der Trasse Parkplätze einrichten. Außerhalb des abgesperrten Bereiches dürfen sich die Zuschauer frei bewegen und das Ereignis ungestört verfolgen.

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