Aachen: RWTH: Viele Fragen zur Abschaffung der Romanistik

Aachen : RWTH: Viele Fragen zur Abschaffung der Romanistik

Warum will das Rektorat das Studienfach Romanistik, respektive die Lehramtsfächer Französisch und Spanisch, an der RWTH Aachen abschaffen? Welche Fächer sind als nächste und übernächste dran? Die Anglistik etwa, die auch mit kleinsten Kapazitäten wirtschaftet?

Oder andere Fächer, die oft in Kombination mit Romanistik studiert werden, zum Beispiel Geschichte? Wie werden in Zukunft die Gewichte innerhalb der Institute sowie auch untereinander verteilt werden?

Fragen über Fragen. Und es gibt nur wenig befriedigende Antworten. Das wurde deutlich während einer Informationsveranstaltung zum Thema „Einstellung des Fachs Romanistik“, zu der der Dekan der Philosophischen Fakultät der RWTH Aachen, Will Spijkers, eingeladen hatte. Rund 300 Hochschulangehörige waren erschienen, die meisten davon Studenten, fremde Gäste wurden in aller Form des Saales verwiesen.

Den Geisteswissenschaften an der RWTH bläst der Wind mächtig ins Gesicht, das ist nicht zu verleugnen. Warum ist das so? Teilnehmer der Veranstaltung berichteten vom redlichen Bemühen der Fakultäts-Verantwortlichen, die „unmissverständlich vorgetragenen“ Wünsche des Rektorats bezüglich Veränderungen in der Philosophischen Fakultät gegenüber den Studenten darzulegen. So habe Dekan Spijkers noch einmal die Forderung des Strategie-Rats zitiert, die Geisteswissenschaften seien besser in das Gesamtprofil der technisch orientierten RWTH zu integrieren. Spijkers habe auch selbst der „notwendigen Neuausrichtung“ der Philosophischen Fakultät das Wort geredet. Die Romanistik sei nun einmal das Fach mit den größten Problemen, sich dem gewünschten Profil anzupassen, habe es geheißen.

Ein weiteres Argument: Wenn in zwei Jahren der Hochschulentwicklungsplan der Landesregierung greift, werde die Aachener „Phil-Fak“ nicht gegen Bonn und Köln bestehen können. Agiert das Rektorat hier in vorauseilendem Gehorsam? Wird die Romanistik auch aus zukünftiger Sorge um den Exzellenz-Status der RWTH geopfert? Dieser Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen.

Innerhalb der Fachgruppe stoßen die Pläne des Rektorats, die nach Auffassung vieler im „stillen Kämmerlein“ getroffen wurden, jedenfalls auf völliges Unverständnis. Zwar ist niemand existenziell von der Schließung des Fachbereichs betroffen: Alle freiwerdenden Kapazitäten sollen innerhalb der Fakultät verbleiben, alle 487 Studenten können in Aachen bis 2023 ihren Abschluss machen, bevor Romanistik-Professorin Angelica Rieger just zu diesem Zeitpunkt in Pension geht.

Dennoch machte Fachbereichs-Sprecherin Stella Neumann deutlich, dass man in den letzten fünf Jahren „unter großen Anstrengungen massive Veränderungen“ vorgenommen habe: interdisziplinäre Forschungsschwerpunkte und diverse Drittmittelprojekte. „Wir haben die Anforderungen des Strategierats erfüllt“, sagte Neumann. Und Angelica Rieger bezeichnete das Französische sogar als „absolut existenziell für eine Stadt wie Aachen. Davon muss das Rektorat überzeugt werden.“

Mehr von Aachener Zeitung