Aachen: RWTH-Professoren erhalten Leibniz-Preis

Aachen : RWTH-Professoren erhalten Leibniz-Preis

Rainer Waser hatte gerade sein Büro betreten, da wähnte er sich im siebten Forscher-Himmel. Er trug noch Mantel und Schal, als ihn der Anruf der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erreichte — und ihm der Hörer vor Freude fast aus der Hand fiel.

Die DFG teilte nämlich mit: Der RWTH-Professor ist einer von elf deutschen Wissenschaftlern, die am 12. März 2014 in Berlin mit dem „Gottfried Wilhelm Leibniz“-Preis — kurz: Leibniz-Preis — ausgezeichnet werden. Und besser noch für die Aachener Universität: Mit dem Informatiker Leif Kobbelt wird neben dem Chemiker Waser einem zweiten RWTH-Professor diese besondere Ehre zuteil. Das gab es in der Geschichte der Universität auch noch nicht. „Das ist schon Wahnsinn“, sagt Kobbelt.

RWTH- Professor Dr. Rainer Waser ist in der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnologie der RWTH Aachen beheimatet. Foto: RWTH Aachen

Es gibt ungezählte Preise, Medaillen und Auszeichnungen für Wissenschaftler. Der Leibniz-Preis ist aber weit mehr als einer von vielen. Das NRW-Wissenschaftsministerium spricht vom deutschen Nobelpreis, ist stolz auf die beiden Aachener sowie den dritten Preisträger aus NRW, Professor Christoph Schulz von der Universität Duisburg-Essen. „Die drei Nominierungen sind Rückenwind für mehr Fortschritt in Nordrhein-Westfalen und ein großes Kompliment für den Wissenschaftsstandort“, erklärte Ministerin Svenja Schulze.

Der Leibniz-Preis ist nicht nur die renommierteste, er ist auch die höchstdotierte Auszeichnung in Deutschland. Kobbelt und Waser erhalten für ihre Forschungen jeweils 2,5 Millionen Euro, können in Personal und Labore investieren. „Wir freuen uns riesig über die hohe Anerkennung für diese beiden herausragenden Wissenschaftler durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft“, erklärte RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg.

Der 58-Jährige Waser verfolgt seit ein paar Jahren aussichtsreiche Ansätze für neue elektronische Bauelemente (insbesondere Speicher), die dazu beitragen sollen, den Energieverbrauch von Computern zu verringern. Er hatte Chemie in Darmstadt und Southampton studiert und dann am Aachener Philips-Forschungszentrum gearbeitet, bevor er 1992 als Professor an die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnologie der RWTH Aachen gerufen wurde. Er gründete das Electronic Materials Research Lab, ein Labor, in dem das RWTH-Institut für Werkstoffe der Elektrotechnik mit dem Institut für Elektronische Materialien am Forschungszentrum Jülich zusammenarbeitet. Beide Einrichtungen werden von ihm geleitet. 1997 wurde er zudem Direktor des heutigen Peter-Grünberg-Instituts am Forschungszentrum.

„Das ist keine Auszeichnung für meine, sondern für unsere Forschung in Aachen und Jülich und für unseren interdisziplinären Ansatz“, sagt Waser. „Wir hatten die richtige Idee und erforschen nun eines der heißesten, wenn nicht das heißeste Thema der Halbleitertechnologie.“

Der 46-jährige Kobbelt, nach Stationen in Wisconsin und Nürnberg-Erlangen seit 2001 in Aachen, ist in der (Computer-)Welt der 3D-Anwendungen, interaktiven Visualisierungen und mobilen Multimedia-Anwendungen unterwegs. Die Tücken der Computergrafik bringt der Lehrstuhlinhaber seinen Studierenden beispielsweise über kunterbunte Spiele näher, denkbar, dass er mit dem Preisgeld hier einen Professor einstellt.

Was für ein Jahr ist es doch für den gebürtigen Kölner! Im Sommer wurde er mit einem „ERC-Advaced-Grant“ über zwei Millionen Euro des Europäischen Forschungsrates honoriert. Nun folgten Anruf und Brief der DFG. „Gut, dass ich es auch schwarz auf weiß habe. Ich muss mich aber erstmal an den Gedanken gewöhnen, Leibniz-Preisträger zu sein“, sagt er.

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