RWTH beschäftigt sich wissenschaftlich mit Asterix-Comics

Eine Uni, ein Buch : Wenn Asterix für Diskussionen im Hörsaal sorgt

Paff! Zack! Bäng! So klingt es in Comicsprache, wenn Asterix und Obelix Römer verprügeln. Durch die Wucht des Schlags der unbeugsamen Gallier fliegt der Römer in die Luft – während die Sandalen auf dem Boden zurückbleiben. So weit, so bekannt.

Doch: Welche Beschleunigung müsste erreicht werden, damit es physikalisch überhaupt plausibel ist, jemanden „aus den Sandalen zu hauen“? Was genau bedeutet es aus medizinischer Sicht, wenn der Römer danach „Sterne sieht“? Und auf welche biochemischen Fakten kann sich Miraculix bei der Zubereitung des Zaubertranks berufen? Die Liste der Fragen ließe sich ohne weiteres fortführen.

Dass die Asterix-Comics ein fast unerschöpflicher Fundus für wissenschaftliche Fragestellungen sind, ist auch Martin Baumann aufgefallen. Der Professor für Physiologie an der RWTH Aachen ist selbst ein interdisziplinärer Allrounder mit akademischen Abschlüssen in Elektrotechnik, Biologie, Medizin und Hochschuldidaktik. Gemeinsam mit seinem Team vom Institut für Angewandte Medizintechnik und weiteren RWTH-Wissenschaftlern hat er deshalb einen fächerübergreifenden Antrag beim bundesweiten Wettbewerb „Eine Uni – ein Buch“ eingereicht mit dem Vorhaben, sich ein Semester lang wissenschaftlich mit den Inhalten der Asterix-Comics auseinanderzusetzen. Und tatsächlich: Als eine von zehn auserwählten Universitäten hat die RWTH den Zuschlag von 10.000 Euro bekommen.

Für Martin Baumann völlig unerwartet. „Unser Antrag ist unkonventionell, weil er bewusst keine nobelpreiswürdige Literatur in den Mittelpunkt stellt, sondern Comics“, sagt er. Deshalb habe er nicht damit gerechnet, dass der Stifterverband und die Klaus Tschira Stiftung das Projekt für förderwürdig halten. Doch offenbar erregte genau dieses wörtliche Verständnis des Ausschreibungstextes („… der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“) sowie der kreative Bewerbungsfilm die Aufmerksamkeit der Jury.

Die Idee dazu basiert auf einem bereits mehrfach in zurückliegenden Semestern angebotenen Seminar, das sich den überfachlichen Fähigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens widmet. „Unser Ziel ist, den Studenten nicht nur den Blick über den Tellerrand zu ermöglichen, sondern sie dabei auch noch zu unterhalten“, sagt Baumann. Am Ende stehe zwar immer harte Wissenschaft, doch der Weg dorthin werde mit lockeren, populärwissenschaftlichen Bezügen gespickt. Da wird die Viskosität der Käsefäden in „Asterix bei den Schweizern“ berechnet oder überprüft, ob Claudius Musculus aus „Asterix bei den Olympischen Spielen“ mit seinen überdimensionierten Muskeln überhaupt überlebensfähig wäre.

Gemeinsam bestreiten Asterix und Obelix ihre Abenteuer und erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Foto: Oliver Berg

„Wir haben einfach gemerkt, dass Asterix bei den Studenten funktioniert. Jede Fachrichtung findet in den Büchern eine interessante Fragestellung, die sich zu bearbeiten lohnt“, sagt Baumann. Denn bei intensiver Betrachtung sei das Potenzial der in den Geschichten wissentlich oder zufällig gemachten Anspielungen weitaus mächtiger als eine oberflächliche Lektüre vermuten lasse. Und so werden die Geschichten von René Goscinny und Albert Uderzo mit einem wissenschaftlichen und einem zwinkernden Auge Stück für Stück auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt.

Wichtig ist Martin Baumann, mit Hilfe des Wettbewerbs zu zeigen, dass die RWTH Teil der Stadt ist und kein gallisches Dorf, das sich abschottet. „Deshalb wollen wir die Schwelle des Angebots bewusst niedrig halten und hoffen, dass viele Menschen den Weg in die Veranstaltungen finden.“ An den geplanten Terminen werden Wissenschaftler aus Medizin, Geschichte, Psychologie, Hydrologie, Theologie und aus den Ingenieurswissenschaften ihre Lieblingsstellen oder Szenen mit Bezug zu ihrer Forschung einem kritischen Blick unterziehen.