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Stornos und Absagen wegen Coronavirus: RWTH Aachen empfiehlt auf Reisen nach China zu verzichten

Stornos und Absagen wegen Coronavirus : RWTH Aachen empfiehlt auf Reisen nach China zu verzichten

Die RWTH Aachen empfiehlt ihren Studenten und Wissenschaftlern wegen des neuartigen Coronavirus, aktuell auf Reisen nach China zu verzichten. Außerdem hat der Virus in mehreren Städten in NRW zur kurzfristigen Absage von Feiern zum chinesischen Frühlingsfest geführt.

Von den insgesamt 45.000 Studenten an der RWTH Aachen seien derzeit 90 in China, über 2600 chinesische Studenten seien in Aachen. Eine chinesische Studentin, die in den vergangenen Tagen in die abgeriegelte Metropole Wuhan reisen wollte, habe ihr Flug-Ticket verfallen lassen müssen, weil sie dort nicht einreisen durfte. Die Uni will nach Angaben einer Sprecherin am Dienstagnachmittag weitere Vorsichtsmaßnahmen beschließen.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bot rund 80 über den Dienst geförderten Stipendiaten in China die Ausreise an, sagte Sprecher Michael Flacke: „Wir haben gesagt, wenn ihr Euch unsicher fühlt mit der Lage, reist aus. Wir übernehmen das.“ Der DAAD ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Nach Angaben des Dienstes waren 2018 insgesamt knapp 37.000 chinesische Studierende in Deutschland und 2016/2017 über 8100 deutsche Studierende in China.

Nordrhein-Westfalen gibt nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums keine speziellen Empfehlungen an Firmen oder Unis mit besonders engen Kontakten zu China heraus. „Selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt keine besonderen Vorsorgemaßnahmen für Reisende“, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums. Informationen zu dem Coronavirus für die Bevölkerung gebe es ja beim Robert Koch-Institut.

Chinesisches Frühlingsfest abgesagt

Das Coronavirus hat außerdem in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens zur kurzfristigen Absage von Feiern zum chinesischen Frühlingsfest geführt. Die Stadt Duisburg sprach von Solidarität mit den Menschen in China. Duisburg ist Partnerstadt von Wuhan, wo der neuartige Coronavirus grassiert.

Auch in Düsseldorf und Bonn wurden von den örtlichen Konfuzius-Instituten Feiern abgesagt. Dabei spielten die Sorgen von Chinesen um ihre Angehörigen in ihrem Heimatland und eine mögliches Ansteckungsrisiko eine Rolle.

In Duisburg war ursprünglich für den Freitag eine große Feier in der Duisburger Mercatorhalle geplant. „Das Frühlingsfest ist dieses Jahr für uns sehr traurig. Wir sind alle in großer Sorge um unsere Familien zuhause“, sagte die aus Wuhan stammende Co-Direktorin des Konfuzius-Instituts Ruhr, Xiaoyan Lu, laut Mitteilung. Die Absage hätten die Veranstalter - das Konfuzius-Institut Metropole Ruhr, die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg und der Verein der chinesischen Wissenschaftler und Studenten in Kooperation mit der Stadt Duisburg gemeinsam entschieden, teilte die Stadt mit.

Auch in Bonn (Donnerstag) und Düsseldorf (Mittwoch) fallen Veranstaltungen aus. Einerseits seien viele Mitglieder der chinesischen Community in Sorge, sagte der Düsseldorfer Direktor Cord Eberspächer der Deutschen Presse-Agentur. Zudem hätte ein Ansteckungsrisiko bei den Feiern nicht ausgeschlossen werden können.

Auswirkungen auf den Handel

Wegfallende oder verschobene China-Kontakte wirken sich nicht nur kulturell aus – das Land ist für NRW längst zu einem zentralen Handelspartner geworden. Bei den Einfuhren Nordrhein-Westfalens (2018) liegt China nach Angaben des Statistischen Landesamtes mit mehr als 28 Milliarden Euro auf Platz zwei, bei den Ausfuhren mit gut 11 Milliarden Euro immerhin auf Platz fünf. Regelmäßig verkehren Güterzüge über eine „neue Seidenstraße“ genannte Verbindung zwischen Duisburg und chinesischen Metropolen, unter anderem Wuhan. Zudem leben immer mehr Chinesen mit Hauptwohnsitz in NRW – von 19 500 im Jahr 2009 wuchs ihre Zahl auf 35.400 Ende 2018.

„Thyssenkrupp empfiehlt allen Beschäftigten dringend, zur Sicherheit bis auf weiteres alle Reisen von und nach China zu unterlassen, die nicht unbedingt erforderlich sind“, erklärte ein Sprecher des Technologiekonzerns. Thyssenkrupp beschäftigt in China rund 17.500 Menschen, davon etwa 350 in einem Unternehmen der Aufzugssparte in der abgeriegelten Metropole Wuhan.

Unmittelbare Folgen für das Geschäft spüren aber Handel und Tourismus: Von vielen Stornierungen chinesischer Deutschlandreisen sprach das Düsseldorfer Reisebüro JAXIN Marketing & Trading. Der Effekt dürfte mindestens ein halbes Jahr andauern, lautete eine erste Einschätzung. Das sind Absagen, die wehtun: Allein in Düsseldorf geben chinesische Gäste nach Angaben der städtischen Tourismusgesellschaft 888 Euro pro Einkauf aus – überwiegend für Mode, Schmuck und Uhren. Fast 90.000 Übernachtungen chinesischer Gäste hatten Düsseldorfer Hotels 2017 verzeichnet. Bei der Kölner Süßwarenmesse fehlt in diesem Jahr ein fest eingeplanter Aussteller aus Wuhan mit seinen Süßigkeiten. „Der darf dann stattdessen im nächsten Jahr kommen“, versprach Messechef Gerald Böse am Dienstag.

Inzwischen ist auch in Deutschland erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Virus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern hat sich angesteckt.

(dpa)