1. Region

Aachen/Essen: RWE-Power: „Es geht ums Überleben“

Aachen/Essen : RWE-Power: „Es geht ums Überleben“

Sinkende Umsätze und Preise auf dem Strommarkt: Die Stromproduktions-Sparte im RWE-Konzern steht gewaltig unter Druck. RWE-Power-Chef Matthias Hartung erklärte am Dienstag: „Es geht ums Überleben.“

Obwohl die Sonderabgabe für Braunkohlekraftwerke vom Tisch ist, rechnet das Unternehmen mit weiteren Personalkürzungen und Einsparungen. Jeder zehnte Job soll bis zum Jahr 2024 wegfallen. Dies soll sozialverträglich ablaufen.

Schon in den vergangenen Jahren zeigte die Tendenz der RWE-Tochter deutlich nach unten. Der Umsatz brach im ersten Quartal dieses Jahres noch mal um ein Viertel ein. So sank der Umsatz der Braunkohlesparte von 745 Millionen Euro im ersten Quartal des Jahres 2013 auf inzwischen 428 Millionen Euro. Als Grund nennt Hartung die gesunkenen Handelspreise auf dem Strommarkt. Im Gegensatz dazu stieg die Stromproduktion des Konzerns, was allerdings damit begründet ist, dass RWE in den Niederlanden ein Steinkohlekraftwerk ans Netz genommen hat.

Wenig konkret wird Hartung, wenn es um die zukünftige Kapazitätsreserve geht, in die RWE ab 2017 Kraftwerksblöcke zunächst für den Stromengpass bereithalten und nach vier Jahren abschalten soll. Man wolle erst die Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium abwarten, dann wolle man entscheiden. Er geht davon aus, dass RWE etwa 1,35 Gigawatt Kraftwerksleistung beisteuern soll. Dies entspricht etwa vier 300-MW-Blöcken.

Nach wie vor sei jeder Standort im Rennen, meinte er. Allerdings war der Standort Frimmersdorf mit lediglich zwei 300er-Blöcken schon in der Vergangenheit auf eine „Watch-List“ gesetzt worden. Da Weisweiler mit dem Tagebau Inden im Verbund als Kandidat ausscheidet, bleiben zusätzlich nur noch die Blöcke in Neurath und Niederaußem.

Zwar bestehe nach der Entscheidung der Bundesregierung kein Grund zu jubeln, jedoch verteidigt der RWE-Power-Chef das neue Modell: „Die Strafsteuer hätte für den Stromkunden jährliche Mehrkosten in Höhe von etwa 4,3 Milliarden Euro nach sich gezogen, für den Durchschnittshaushalt also 36 Euro pro Jahr.“ Darin sei der Arbeitsplatzverlust für die Fremdfirmen nicht eingerechnet. Die jetzt umzusetzende Kapazitätsreserve koste etwa 900 Millionen Euro, also etwa acht Euro pro Haushalt. Laut Hartung fußen die Zahlen auf Berechnungen des Instituts „Think Tank Frontier Economics“.

Der RWE-Personalvorstand Erwin Winkel geht davon aus, dass der Arbeitsplatzabbau durch den „demografischen Wandel“ erfolge. Schon jetzt liege das Durchschnittsalter der Belegschaft bei 49 Jahren. Dennoch wolle man weiter über Bedarf ausbilden. Derzeit beschäftigt RWE im Rheinischen Revier 600 Auszubildende, in diesem und dem nächsten Jahr wolle man konzernweit jeweils mindestens 400 weitere Azubis einstellen.

Zwar hält RWE an den Plänen zum Braunkohlekraftwerksblock BOAplus fest, an eine Ausweitung der Tagebaue ist jedoch nicht gedacht, wie Hartung betont. Für die betroffenen Umsiedler des Tagebaus Garzweiler II hofft er, dass im kommenden Jahr spätestens Klarheit herrsche, wie es weitergehe. „Es wird einen Interessenausgleich geben, bei dem wir nichts gegen den Willen der Bürger machen“, sagte er, auf die Gestaltung des Umsiedlungsortes angesprochen. Die Landesregierung will den Entwurf zur Leitentscheidung Mitte September bekanntgeben.