Nach Hambach-Stopp: RWE-Chef Schmitz ruft Mitarbeiter zu Geschlossenheit auf

Nach Hambach-Stopp: RWE-Chef Schmitz ruft Mitarbeiter zu Geschlossenheit auf

Nach dem Rodungsstopp im Hambacher Forst hat RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz die Mitarbeiter des Energiekonzerns zur Geschlossenheit aufgerufen.

„Solch einen Zusammenhalt, solch eine gute und starke Mannschaft, die in schweren Zeiten zusammensteht, gibt es selten. Darauf können wir stolz sein“, heißt es in einem Schreiben an die Belegschaft. „Wir kämpfen gemeinschaftlich weiter für RWE.“

Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte RWE vergangene Woche vorläufig untersagt, den an den Tagebau grenzenden Hambacher Forst zu roden. In seinem Schreiben nennt Schmitz die Entscheidung „schmerzhaft und kaum nachvollziehbar“. Der Schaden auch für die Reputation des Unternehmens sei immens, schreibt Schmitz. „Der finanzielle Schaden liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bereits ab 2019.“

RWE hatte am Dienstag mitgeteilt, nach dem Rodungsstopp die Förderung im Braunkohletagebau Hambach zu drosseln. Welche Auswirkungen das auf die Arbeitsplätze habe, müsse nun analysiert werden, schreibt Schmitz an die Mitarbeiter. „Zu diesem Zeitpunkt kann ich Ihnen die Sorge um die Zukunft leider nicht gänzlich nehmen.“

Nach früheren Angaben soll es zunächst bergbauliche Untersuchungen geben. Erst danach seien die Folgen für die Beschäftigten im Tagebau und den Kraftwerken abschätzbar. Dort und in anderen RWE-Betrieben sind nach Unternehmensangaben 4600 Menschen beschäftigt.

„Unsere Befürchtung ist, dass die Beschäftigten die Zeche zahlen müssen und Stellen wegfallen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende von RWE Power am Standort Essen, Silke Boxberg, der „WAZ“. Die Arbeitsplätze im Tagebau, in den Kraftwerken und in den Zentralen Essen und Köln seien massiv bedroht.

Neue Baumhäuser im Hambacher Forst will NRW-Innenminister Herbert Reul nicht dulden. „Die Polizei wird den Wald nicht den Besatzern überlassen“, versicherte der CDU-Politiker in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag). „Eine systematische Besetzung, wie es sie vor der Räumung gab, werden wir nicht hinnehmen“, kündigte er an. Das bedeute aber nicht, dass man immer sofort eingreife: „Beim Kampf gegen die Clan-Kriminalität führen wir ja auch nicht jeden Tag eine Razzia durch.“

Auf die Frage, ob man sich die Räumungsaktion nicht hätte sparen können, wenn man die Entscheidung abgewartet hätte, sagte Reul: „In dem Moment, in dem die Brandschutzmängel festgestellt wurden, musste gehandelt werden.“ Die Landesregierung hatte den Abbau der Baumhäuser mit Verstößen gegen Brandschutzvorschriften gerechtfertigt.

(dpa)
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