Rückgang auch in NRW: Immer weniger Zwangsversteigerungen

Rückgang auch in NRW : Immer weniger Zwangsversteigerungen

Die Zahl der Zwangsversteigerungen ist 2018 in Deutschland noch einmal deutlich zurückgegangen. Dabei kamen nach Recherchen des Ratinger Fachverlags Argetra im vergangenen Jahr in Deutschland 18.449 Immobilien mit einem Verkehrswert von zusammen 3,85 Milliarden Euro unter den Hammer.

2017 waren es noch 25.740 Häuser, Wohnungen oder Grundstücke mit einem Verkehrswert von 4,23 Milliarden Euro. Damit sei die Zahl der Zwangsversteigerungen seit gut zehn Jahren rückläufig, berichtete der Geschäftsführer des Fachverlags Argetra, Axel Mohr. Mit einem Anteil von 25 Prozent war Nordrhein-Westfalen bundesweit an den Zwangsversteigerungen im vergangenen Jahr beteiligt.

Bundesdeutsche Hochburg der Zwangsversteigerungen ist Sachsen-Anhalt mit 104 Terminen bezogen auf 100.000 Einwohner. Auf den weiteren Plätzen folgen Rheinland-Pfalz (100 Termine), das Saarland (92 Termine) und Sachsen (91 Termine). Die niedrigsten Quoten finden sich in Hamburg (10 Termine), Berlin (18 Termine) und in Bayern (30 Termine). Der bundesweite Durchschnittswert liegt bei 52 Terminen. Nordrhein-Westfalen liegt mit einem kräftigen Rückgang der Zahl der Zwangsversteigerungen je 100.000 Einwohner von 72 Fällen im Jahr 2017 auf 56 Fälle im vergangenen Jahr im Mittelfeld.

Unter den 40 bundesdeutschen Städten mit den meisten Zwangsversteigerungsterminen finden sich acht Kommunen aus NRW. Nordrhein-westfälischer Spitzenreiter ist Duisburg mit 294 Terminen im vergangenen Jahr. Auf den weiteren Plätzen der landesweiten Auswertung folgen Wuppertal (164 Termine), Essen (159 Termine), Dortmund (144 Termine), Köln (129 Termine), Mönchengladbach (124 Termine), Gelsenkirchen (117 Termine) und Krefeld (93 Termine). Bundesweiter Spitzenreiter ist Chemnitz mit 557 Terminen.

Etwa jedes zweite eröffnete Zwangsversteigerungsverfahren endete auch im vergangenen Jahr jedoch nicht im Gerichtssaal. Stattdessen wurden die betroffenen Immobilien bereits im Vorfeld verkauft, so dass keine Zwangsversteigerung mehr stattfinden konnte. Für die Auswertung hatten die Experten Zwangsversteigerungen an mehr als 500 Amtsgerichten untersucht.

Eigentumswohnungen und Ein- oder Zweifamilienhäuser stellten dabei mit einem Anteil von gut zwei Dritteln (69 Prozent) die große Mehrheit unter den zwangsversteigerten Immobilien. Dabei waren zunehmend Immobilien-Streitigkeiten zwischen Erben und Geschiedenen Hintergrund der Zwangsversteigerung. Damit stieg der Anteil der so genannten Teilungsversteigerungen von 17 Prozent im Jahr 2017 auf 18,4 Prozent im vergangenen Jahr weiter an.

Hintergrund der gesunkenen Zahl an Zwangsversteigerungen seien die aktuell niedrigen Zinsen, berichtete der Geschäftsführer des Fachverlags Argetra, Axel Mohr. Sorgen bereite jedoch eine mögliche Zinswende, die die Verlängerung von bestehenden Finanzierungen so stark verteuern könnte, dass seit 2008 erstmals auch wieder mit einem deutlichen Anstieg der Zwangsversteigerungen zu rechnen sei. „Wenn die Zinsen wieder steigen, wird das richtig knallen“, sagte Mohr.

Probleme bereite auch heute schon die sehr unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Immobilienmärkten. Während Häuser und Wohnungen in den Ballungszentren wie Köln, Frankfurt oder München meist schnell einen Käufer fänden, seien viele Immobilien in ländlichen Regionen nur schwer oder gar nicht zu verkaufen.

(dpa)
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