Rotlicht-Prozess gegen Prostituierte und Bordellmitarbeiter begonnen

Rotlicht-Prozess gestartet : Freier in Düsseldorf betäubt und abgezockt?

Freier sollen betäubt und ausgeplündert worden sein: Darum geht es in einem neuen Rotlicht-Prozess in Düsseldorf. Auf der Anklagebank sitzen vier Prostituierte und ein Mann.

Es dauerte fast eine Stunde, um die Anklageschrift zu verlesen: Vier Prostituierte und ein Mitarbeiter in einem Düsseldorfer Bordell sollen im großen Stil Freier mit Drogen betäubt und ausgeplündert haben. Schwere räuberische Erpressung werden den vier Frauen im Alter zwischen 35 und 52 Jahren und dem 55 Jahre alten Wirtschafter vorgeworfen. In einem Zeitraum von eineinhalb Jahren bis zum Juli 2018 soll dies in einem Rotlichthaus am Bahndamm in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs geschehen sein. 22 Fälle sind angeklagt.

Dabei sollen die vier Frauen und der unter anderem für die Sicherheit und das Kartenterminal zuständige Mann von solventen Gästen Bargeld sowie per EC- und Kreditkarten Abbuchungen erhalten haben, oft ohne Erbringen einer Gegenleistung. Mit rund 100.000 Euro gibt die Staatsanwaltschaft den entstandenen Schaden an.

Zu Beginn des Prozesses am Montag versteckten einige Angeklagte anfangs ihre Gesichter hinter Aktenordnern und Prozessakten. Zwei Frauen sitzen seit Juli 2018 in Untersuchungshaft. Der 55 Jahre alte Wirtschafter sowie eine 52-Jährige waren im vergangenen Sommer jeweils rund einen Monat in Untersuchungshaft. Nach mehreren Anträgen der Verteidiger begann die Verlesung der Anklage mit über zweistündiger Verspätung.

Demnach sollen die Angeklagten Geheimnummern der Scheck- und Kreditkarten ihrer oft alkoholisierten Kunden ausgespäht haben. In mehreren Fällen erfolgten die Abbuchungen in Tausenderbeträgen oder im Minutentakt. Bis zu 9000 Euro sollen die Angeklagten dabei abgezweigt haben. Mehrere Bordellbesucher gingen aber schon am nächsten Tag zur Polizei. „Man musste wegen mehrerer Anzeigen davon ausgehen, dass es keine Einzelfälle sind“, sagte Staatsanwalt Lukas Kockmann über den Beginn der Ermittlungen.

Mehrfach sei Besuchern heimlich Kokain in Getränke getan worden und sie so willenlos gemacht worden. Ein Kunde, der bereits in bar gezahlt hatte, erzählte später den Ermittlern, er sei eingeschüchtert worden und habe mit seiner Kreditkarte sechs weitere Abbuchungen vorgenommen. Eine Gegenleistung habe er nicht bekommen. Anderen soll Kokain zum Kauf angeboten worden sein. Einem an Parkinson erkrankten Besucher sollen über den vereinbarten Preis von 200 Euro hinaus mehrere Tausend Euro abgebucht worden sein.

Der Prozess ist bislang bis zum 28. Mai geplant. Unter anderem sollen etwa 15 geschädigte Besucher aussagen.

(dpa)
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