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Kölner Erfindung: Rosenmontagszug sollte den Karneval zivilisieren

Kölner Erfindung : Rosenmontagszug sollte den Karneval zivilisieren

Die Rosenmontagszüge sind eine Kölner Erfindung. Im Winter 1822/23 setzten sich in einem Weinhaus einige grundsolide Vertreter der Kölner Oberschicht zusammen und überlegten, wie das bis dahin rohe Fastnachtstreiben domestiziert werden könnte.

Ihr Vorbild war der kultivierte venezianische Karneval. Deshalb importierten sie als erstes den Namen und tauften die Fastnacht in Karneval um. Als Zweites erfanden sie einen romantischen Maskenzug.

Wahrscheinlich wurden sie dabei von Triumphzügen der Fürsten und Feldherren inspiriert, vor allem aber von der jährlichen Fronleichnamsprozession der katholischen Kirche. Zur Organisation des Zuges bildeten die Initiatoren im Januar 1823 ein „festordnendes Comité für die Carnevalslustbarkeiten“. Obwohl bis zum Rosenmontag nur noch zwei Wochen Zeit waren, gelang den Organisatoren schon mit dem ersten Zug ein großer Erfolg.

Im folgenden Jahr waren an den Karnevalstagen schon alle Zimmer in sämtlichen Gasthäusern der Stadt ausgebucht. Deshalb dauerte es auch nicht lange, bis andere Städte das Kölner Vorbild kopierten. Vor 175 Jahren, am Rosenmontag 1845, erlebte Köln eine Sensation: Zwei konkurrierende Karnevalszüge zogen durch die Stadt. Den einen hatte die reaktionäre große Carnevalsgesellschaft ausgerüstet, den anderen die progressive Allgemeine Carnevalsgesellschaft.

(dpa)