Würselen: Rockerkrieg in der Region? 18-Jähriger erschossen

Würselen : Rockerkrieg in der Region? 18-Jähriger erschossen

Ein 18 Jahre alter Mann ist am Donnerstagabend in Würselen durch mehrere Schüsse getötet worden, ein Täter konnte Freitag nicht ermittelt werden. Ein 28-Jähriger, der ebenfalls von mehreren Schüssen getroffen wurde, ist nicht in Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft Aachen bezeichnete seinen Gesundheitszustand am Freitag als stabil.

Nach den ersten Ermittlungen hält die Staatsanwaltschaft es für nicht ausgeschlossen, dass am Donnerstagabend in Würselen eine Auseinandersetzung rivalisierender Rockerbanden stattgefunden hat. Der getötete 18-Jährige soll nach Erkenntnissen der Polizei Beziehungen ins Rockermilieu unterhalten haben. Welche Banden an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein könnten, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Sollte es sich bei dem Vorfall in Würselen tatsächlich um eine Auseinandersetzung im Rockermilieu gehandelt haben, könnte er in Zusammenhang mit mehreren beunruhigenden Vorfällen im nieder ländischen Grenzgebiet innerhalb der vergangenen Wochen stehen. Anfang Mai prügelten sich in einem Café in Sittard Mitglieder der Rockerbanden „Bandidos“ und „Red Devils“. Die „Red Devils“ sind ein einflussreicher Unterstützer-Club der „Hells Angels“, die seit Jahrzehnten mit den „Bandidos“ verfeindet sind und auch in Deutschland zum Teil brutale Revierkämpfe austragen.

Laut Polizei gab es nach der Schlägerei zwischen „Bandidos“ und „Red Devils“ „Signale, dass es zu einer Gegenreaktion kommen könnte“, sagte eine Sprecherin der Gemeinde. Der Sittarder Bürgermeister rief daraufhin den Ausnahmezustand aus — erst nur für das Gebiet um das Café, seit vergangenem Wochenende und zunächst bis Ende Mai für die gesamte Gemeinde Sittard.

In Kerkrade hatte der Bürgermeister am Freitag vergangener Woche eine Gaststätte der Hells Angels schließen lassen. Nach Drohungen gegen ihn lebt er mittlerweile unter Polizeischutz. Ob es einen Zusammenhang zur Schließung der Gaststätte gibt, steht offiziellen Informationen zufolge nicht fest.

Das Verbot der „Bandidos Aachen“ am 26. April 2012 hat eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die offenbar bis heute andauert. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte damals, die „Bandidos Aachen“ stünden mit Schutzgelderpressungen, Prostitution, Waffen- und Drogenhandel im Zusammenhang. Er sprach von einer „kriminellen Vormachtstellung“ zwischen Aachen, Sittard, Heinsberg und Düren. Verschiedene Rocker- und Straßenbanden versuchen seither, diese Vormachtstellung zu übernehmen. In Folge der ausgebrochenen Revierkämpfe hat die Polizei immer wieder mit Überfällen, Schlägereien und Schießereien zu tun.

Neue Clubhäuser

Und drei Jahre nach ihrem Verbot sind auch die „Bandidos“ wieder in der Region aktiv. In Leverkusen sollen sie Medienberichten zufolge dabei sein, ein Clubhaus einzurichten, ebenso wie in Eupen in Ostbelgien. Nach den Erkenntnissen der Ermittler haben sich frühere Mitglieder der „Bandidos Aachen“ einen neuen Namen gegeben und versuchen nun von Eupen aus, ihre Aktivitäten wieder aufzunehmen.

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