Robert Bodden ist „Staatsanwalt vor Ort“ in Jülich

„Staatsanwalt vor Ort“ in Jülich : Damit die Strafe auf dem Fuße folgt

Als NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) Mitte Juni das Projekt „Staatsanwalt vor Ort“ vorstellte, war das etwas geheimnisvoll. Zwei „durchaus erfahrene Staatsanwälte“ hätten ihr neues Büro im Norden Duisburgs inzwischen bezogen, teilte er vor Ort mit.

Aber weder Adresse noch Namen wollte der Minister bei der Präsentation nennen. „Ihre Gesichter sollen so lange wie möglich nicht bekannt werden“, sagte Biesenbach im Sommer. Das helfe ihrer Arbeit in den betroffenen Stadtteilen. Schwerpunkt: kriminelle Familienclans. Vorbild des Projekts: die Mafia-Bekämpfung in Italien.

Am Dienstag wird Biesenbach wieder einen „Staatsanwalt vor Ort“ vorstellen – erstmals in der Region. Dafür reist der Minister nach Jülich zum dortigen Amtsgericht. Der auserwählte Anklagevertreter ist keineswegs anonym, es ist Staatsanwalt Robert Bodden. Und mitnichten ist sein Aufgabenschwerpunkt die Bandenkriminalität. Jülich ist nicht für solche kriminelle Strukturen bekannt, sagt der Aachener Behördensprecher Jost Schützeberg.

Intensiverer Kontakt

Vielmehr geht es vor Ort um Allgemeinkriminalität. Bodden ist der Pilot des Projekts, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Der 41-Jährige soll nun im Bereich des Jülicher Amtsgerichts für beschleunigte Verfahren sorgen. An mindestens zwei Tagen weilt er vor Ort, auch um den Kontakt zu Polizei, Stadtverwaltung und Amtsgericht zu intensivieren.  Mit solchen Netzwerken soll die örtliche Strafverfolgung effektiver werden.  „Wir wollen so der Justiz vor Ort ein Gesicht geben“, sagt ein Sprecher von Biesenbach. Der Staatsanwalt soll auch in ländlicheren Gebieten wahrgenommen werden.  Fällt der befristete Feldversuch positiv aus, soll es auch in anderen Amtsgerichtsbezirken solche Staatsanwälte vor Ort geben.

Die Wahl auf Jülich fiel eher zufällig und hat nichts mit einer auffälligen Kriminalitätsstatistik zu tun. Der Ansatz ist eher mathematisch: Die Anzahl der Strafverfolgungsdelikte dort – etwa 560 – entspricht dem Arbeitsvolumen eines Dezernats bei der Staatsanwaltschaft. Bodden, der aus dem Bergischen Land kommt, hat sich für das nicht befristete Projekt beworben. Seine Behörde hat eigens dafür eine zusätzliche Planstelle erhalten.

Bei Jugendkriminalität erprobt

Die Idee, den Aachener Staatsanwalt vor Ort zu installieren, folgt einem Ansatz, der aus der Jugendkriminalität bekannt ist. Die ehemalige Leiterin der Aachener Staatsanwaltschaft, spätere Generalstaatsanwältin und heutige Opferbeauftragte des Landes, Elisabeth Auchter-Mainz, hat das Projekt für den Bereich der Jugendkriminalität schon vor vielen Jahren entwickelt. Die Fälle der Staatsanwälte orientieren sich an den Tatorten und nicht mehr am Alphabet. Der Vorteil: Die Ermittler kennen die Szene, in der sich der kriminelle Nachwuchs tummelt, deutlich besser. Die Sanktionen fallen schneller und häufig auch zielgerichteter aus, sinnvolle Resozialisierungsmaßnahmen ließen sich besser umsetzen.

Das Modell hat sich so bewährt, dass es mittlerweile in ganz NRW  angewandt wird.  Weil die Erfahrungen beim Jugendstrafrecht durchaus positiv waren, wird der Feldversuch nun auf das Erwachsenenstrafrecht ausgedehnt. Aus dem „Staatsanwalt für den Ort“ wird nun der „Staatsanwalt vor Ort.“