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Köln: Rheinpegel steigt: Die Kölner wissen, was zu tun ist

Köln : Rheinpegel steigt: Die Kölner wissen, was zu tun ist

Der Kölner sieht es gelassen: Trotz erschreckender Hochwasserwarnungen bewahren die Bewohner der Domstadt ruhiges Blut.

Ein Pegelstand von rund 8,50 Meter am Freitag ist zumindest in den Augen des stellvertretenden Leiters der Kölner Feuerwehr, Johannes Feyrer, nichts Neues.

„Diesmal kommt das Hochwasser allerdings vielleicht etwas schneller, als man es erwartet hatte”, meinte Feyrer. Die Leute, die in den möglicherweise von Wassermassen betroffenen Stadtteilen lebten, wüssten aber, was zu tun sei.

Und richtig: In Rodenkirchen, wo die Schutzwände überspült und das Wasser in das Wohnviertel strömen sollte, herrschte alles andere als Panik. Von einem Camping-Platz brachten alle Wohnwagen-Besitzer ihr Eigentum in Sicherheit.

„So was machen wir alle Jahre wieder”, sagte ein Camper locker. Das Amt für Straßen und Verkehrstechnik hatte bereits Schilder für Umleitungen und Absperrungen aufgestellt. Leuchtend rote Schilder weisen auf die Hochwassergefahr hin.

In der Kölner Altstadt brachten Bewohner aus den Erdgeschoss-Wohnungen ihr Mobiliar in Sicherheit. Ein Kneipenbesitzer räumte mit Hilfe einiger Möbelpacker Tische und Barhocker aus seinem Lokal am Fischmarkt.

„Ich bin das erste Jahr in dieser Kneipe und werde jetzt wohl gleich überschwemmt”, sagt der 45-Jährige. „Ärgerlich ist vor allem, dass man die Häuser direkt am Rhein nicht gegen Hochwasser versichern kann.” Nebenan rettete eine Galerie ihre wertvollen Gemälde vor der drohenden Flut.

Rund 300 Helfer versuchten am Freitag, das Schlimmste zu verhindern. In den Höfen des Kölner Tiefbauamtes wurden vorsorglich 100 000 Sandsäcke gefüllt und in der Altstadt Stahlwände zu einer Schutzwand zusammengefügt, um die ersten Fluten abzufangen. In Rodenkirchen bauten zahlreiche Helfer eine 400 Meter lange zweite Verteidigungswand auf.

Die Leitungen des Bürgertelefons der Hochwasserschutzzentrale liefen unterdessen heiß. „Viele rufen an und wollen wissen, wie viel Zeit sie noch haben, um ihr Hab und Gut zu sichern”, sagte Reinhart Vogt, Leiter der Hochwasserschutzzentrale in Köln.

Kritisch wird es bei über zehn Metern, die möglicherweise am Samstagnachmittag erreicht werden. Dann sind 20.000 Menschen betroffen.

Unterdessen richtete die Kölner Polizei den eindringlichen Appell an die Bevölkerung, auf den beliebten Katastrophentourismus zu verzichten.

Wörtlich heißt es: „Bereits die bloße Anwesenheit von Personen ist geeignet, die Rettungsarbeiten wesentlich zu behindern. Besonders schlimm wird es, wenn Angetrunkene sich einfinden, um die Maßnahmen der Retter zu kommentieren.”