Rheinmetall rechnet mit noch besseren Geschäften mit Militärgütern

Exportstopp nach Saudi-Arabien : Rheinmetall will Entschädigung vom Bund

Wegen des Exportstopps von Militärgütern nach Saudi-Arabien will der Rüstungskonzern Rheinmetall den Bund zur Kasse bitten. Man habe eine Lieferung von 120 Militärlastwagen mit Anhängern wie vom Bund gefordert vorerst zurückgehalten, sagte Konzernchef Armin Papperger am Mittwoch in Düsseldorf.

Rheinmetall könnte schon jetzt liefern, weil die Exportgenehmigung bereits erteilt worden sei, sagte der Manager. Dies werde man aber nicht tun, schließlich wolle man im Einvernehmen mit Berlin vorgehen. Allerdings müsse die Bundesregierung bald entscheiden, ob die bereits erteilte und bis zum Herbst gültige Exportgenehmigung entzogen werde oder nicht. „Sie kann nicht sagen, wir entscheiden gar nichts“, sagte Papperger.

Wird die Genehmigung entzogen, würde Entschädigung eingefordert, stellte Papperger klar - dafür müsse man noch nicht mal klagen. So eine Zahlung sehe das Kriegswaffenkontrollgesetz bei Lieferungen vor, deren Ausfuhr bereits genehmigt sei und die dann doch noch gestoppt würden. Der Auftrag ist den Angaben zufolge 136 Millionen Euro schwer, nur zehn der 120 Lkw wurden bereits geliefert. Die Saudis seien sehr zufrieden mit den Fahrzeugen, es gebe Potenzial für weitere Geschäfte über die 120 Lkw hinaus, sagte Papperger.

Konzern rechnet mit noch besseren Geschäften

Der Rüstungskonzern will seinen Höhenflug beim Verkauf von Militärgütern in diesem Jahr fortsetzen. Man rechne mit einem Umsatzplus 2019 von neun bis elf Prozent in der Verteidigungssparte, sagte Armin Papperger.

Damit würde sich das ohnehin schon brummende Geschäft noch verbessern - im vergangenen Jahr hatte die Sparte ein Umsatzplus von 6,1 Prozent auf 3,22 Milliarden Euro verbuchen können. Zudem soll der Bereich noch profitabler werden als bisher. Papperger begründete die Entwicklung mit weltweit steigenden Rüstungsausgaben. Rheinmetall stellt unter anderem Panzer, Munition und Flugabwehrsysteme her.

Längst nicht so gut läuft es hingegen in der Autozulieferer-Sparte, die 2018 um 2,4 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro zulegte. Wegen der sich abkühlenden Autokonjunktur rechnet Rheinmetall dort im Gesamtjahr 2019 aber mit einem „Null-Wachstum“, der Umsatz wird sich der Prognose zufolge zwischen null und einem Prozent plus entwickeln. Rheinmetall hat weltweit rund 25.000 Mitarbeiter, fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Etwa die Hälfte ist im Ausland - dieser Anteil blieb unverändert.

Übernahme von Krauss Maffei angepeilt

Der Konzern nimmt die Übernahme des Konkurrenten Krauss Maffei Wegmann (KMW) weiter ins Visier. Man sei auf einem guten Weg, sagte Papperger. „Wir haben gesprochen und es gibt eine Bereitschaft, dass man Anteile bekommen kann.“ Es geht um den 50-Prozent-Anteil von KMW an der deutsch-französischen Rüstungsholding KNDS, die zur anderen Hälfte dem staatlichen französischen Unternehmen Nexter gehört. Beide Firmen haben ihre Geschäfte in diese Holding eingebracht - kauft Rheinmetall den KMW-Anteil, würde es den Münchner Konzern schlucken.

KNDS war 2015 gegründet worden, um künftige militärische Großprojekte gemeinsam zu stemmen - es geht vor allem um einen komplett neu entwickelten Kampfpanzer der Zukunft, der 2030 fertig sein könnte. Passiert ist seit der Firmengründung aber wenig.

Knackpunkt für die Übernahme ist nach Darstellung von Papperger ein Vorkaufsrecht der Franzosen. Die Übernahme sei letztlich eine politische Angelegenheit, man verhandele mit der Bundesregierung und der französischen Regierung, sagte er. Der deutsche Manager deutete an, dass es in Paris noch Vorbehalte gebe.

Würde Rheinmetall bei KNDS einsteigen, würde die deutsche Seite in dem Gemeinschaftsunternehmen wesentlich gestärkt. Branchenexperten zufolge könnte Rheinmetall auf lange Sicht eigenes Geschäft in die Holding einbringen, wodurch der Anteil der Düsseldorfer auf bis zu 75 Prozent steigen könnte. Papperger sagte zwar, man wolle „am liebsten 51 Prozent“ und damit die Mehrheit. Er räumte aber ein, dass dies aufgrund der Haltung Frankreichs schwierig sein dürfte.

KMW mit Sitz in München ist ein Familienunternehmen, von ihm stammt zum Beispiel die Karosserie des Leopard-Panzers, dessen Kanone wiederum ist von Rheinmetall. Die beiden Firmen sind bisher also nicht nur Konkurrenten, sondern mitunter auch Geschäftspartner.

(dpa)
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