Rhein-Ruhr-Express ab Sonntag zwischen Düsseldorf und Kassel unterwegs

Teuerstes Bahnprojekt von NRW: Rhein-Ruhr-Express nimmt die Fahrt auf

Bahnfahrer können am Wochenende das erste Mal regulär mit Zügen des Rhein-Ruhr-Expresses (RRX) fahren. Von Sonntag an rollen auf der Linie RE 11 zwischen Düsseldorf und Kassel 15 neue Züge - der erste verlässt morgens um 6.21 Uhr den Dortmunder Hauptbahnhof.

Damit startet die Vorlaufphase eines der wichtigsten Nahverkehrsprojekte in Nordrhein-Westfalen.

Betrieben wird die Linie in Zukunft dann nicht mehr von der Deutschen Bahn, sondern vom Verkehrsunternehmen Abellio. Bis der RRX wie geplant im 15-Minutentakt Köln und Dortmund miteinander verbindet, vergehen aber noch Jahre: Dazu muss zunächst die Strecke aufwendig ausgebaut werden. Mit dem Abschluss der Arbeiten wird nicht vor 2030 gerechnet.

Verbesserungen für die Fahrgäste versprechen Bahnbetreiber und Zughersteller schon jetzt: So sollen die Züge mehr Menschen Platz und mehr Komfort bieten. Durch ein vorausschauendes Wartungssystem will Siemens zudem Zugausfälle vermeiden. Zuletzt war bekanntgeworden, dass die künftigen Eigentümer, darunter der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, mit Siemens über kleinere, jedoch nicht sicherheitsrelevante Mängel wie Kratzer und Dellen streitet.

Nach dem RE 11 sollen vier weitere Linien an Rhein und Ruhr mit RRX-Zügen bestückt werden. Neben Abellio beteiligt sich auch National Express ab Juni 2019 an diesem sogenannten Vorlaufbetrieb. Insgesamt wird Siemens 82 Züge liefern und dauerhaft für deren Wartung und Reparatur zuständig sein. Kosten für den Gesamtauftrag: 1,7 Milliarden Euro.

Wozu braucht es überhaupt den RRX?

2,4 Millionen Menschen sind täglich in NRW auf der Schiene unterwegs, die meisten davon im riesigen Ballungsraum zwischen Rhein und Ruhr - und die Fahrgastzahlen steigen immer weiter. Pendler, Studenten, Reisende nutzen die Strecke zwischen Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet dabei so häufig, dass die Regionalzüge im Berufsverkehr aus allen Nähten platzen. Doch für mehr Züge ist es zu eng. Schon jetzt kommen sich die Bahnen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten in die Quere, müssen einander überholen lassen, aufeinander warten.

Was soll also passieren?

Um die Kapazitäten zu erhöhen, soll die Strecke dringend ausgebaut werden. Dies geschieht durch zusätzliche Schienen und Weichen. „Dadurch erreichen wir eine Entflechtung des schnellen Fern- und Regionalverkehrs vom langsameren S-Bahnverkehr. Zwischen Düsseldorf und Duisburg erhält der RRX sogar komplett eigene Gleise“, sagt eine Bahnsprecherin. Der Takt kann verdichtet werden und langsame Züge halten die schnelleren nicht mehr auf. Außerdem sieht das neue Verkehrskonzept vor, dass andere Landesteile durch gute Verbindungen von der Rhein-Ruhr-Achse etwa nach Aachen, Bonn und Münster besser erreicht werden.

Wann kann das Verkehrskonzept Wirklichkeit werden?

Die angestrebte dichte Taktung von 15 Minuten lässt sich erst umsetzen, wenn die letzte Schiene verbaut ist. Doch die meisten der geplanten Bauabschnitte befinden sich noch in der Genehmigungsphase. Vor 2030 rechnen die Beteiligten nicht mit einem Abschluss. Die neuen Züge sollen allerdings schon nach und nach in NRW zum Einsatz kommen - im sogenannten Vorlaufbetrieb.

Was sieht der Vorlaufbetrieb genau vor?

Die künftigen Betreiber des RRX, die Bahnunternehmen Abellio und National Express, wollen Linie für Linie die neuen Siemens-Züge des Typs Desiro HC auf die Schiene bringen. Den Anfang macht der RE 11 von Düsseldorf nach Kassel. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember setzt Abellio auf der Strecke 15 neue Züge ein - der erste verlässt morgens um 6.21 Uhr den Bahnhof Dortmund. Es folgen der RE 5 von Wesel nach Koblenz (ab Juni 2019), der RE 6 zwischen Köln/Bonn Flughafen und Minden (ab Dezember 2019), der RE 1 von Aachen nach Hamm (ab Juni 2020) und der RE 4 von Dortmund nach Aachen (ab Dezember 2020).

Welche Verbesserungen bringen die neuen Züge?

Die Betreiber versprechen mehr Komfort. Die Sitze sollen ähnlich gepolstert sein wie im Fernverkehr, die Klimaanlagen weniger störanfällig. Zudem gibt es teils deutlich mehr Sitzplätze, etwa auf der Linie RE 11 bis Hamm doppelt so viele wie bisher. Zuletzt wurde jedoch bekannt, dass Siemens mit den künftigen Eigentümern, darunter der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), um kleinere Mängel an den Zügen streitet. Hier gehe es jedoch nicht um Sicherheitsrelevantes, sondern nur um Kratzer und Dellen, hieß es beim VRR.

Und was ist mit mehr Pünktlichkeit?

Damit rechnet zumindest der Fahrgastverband Pro Bahn: Die Züge seien leistungsstärker und damit schneller. Auch ein verbesserter Ein- und Ausstieg lasse hoffen, dass es seltener zu Verspätungen kommt. Pro-Bahn-Sprecher Lother Ebbers lobt zudem, dass Siemens als Hersteller erstmals in Deutschland verantwortlich für die dauerhafte Wartung und Reparatur der Züge ist.

Welchen Vorteil erhofft man sich davon?

Bislang musste sich immer der Bahnbetreiber um die Züge kümmern - nicht selten gab es Gerangel mit dem Hersteller um Gewährleistung und Reparaturpflichten. Siemens habe sich nun verpflichtet, für eine ständige Verfügbarkeit zu sorgen - „32 Jahre lang“, sagt Ebbers. Dem Konzern zufolge soll die Auswertung riesiger Datenbestände der Züge helfen, Unregelmäßigkeiten an Türen, Klimaanlagen, Antriebstechnik oder Bremsen aufzuspüren, bevor sie zum Zugausfall führen.

Also gibt es keine Nachteile für Reisende?

Überall dort, wo in den nächsten Jahren gebaut wird, müssen Pendler mit zeitweisen Fahrplanänderungen rechnen. „Wir bauen unter dem rollenden Rad - das geht es nicht ohne Einschränkungen“, sagt eine Bahnsprecherin. Sie verspricht aber: „Mit jedem fertiggestellten Bauabschnitt gewinnt der Reisende mehr Betriebsqualität“ Denn: Wo mehr Platz im Schienennetz geschaffen werde, sei es weniger störungsanfällig.

Kann der RRX den Nahverkehr in NRW zukunftsfest machen?

Der RRX sei ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung, sagt Pro-Bahn-Sprecher Ebbers. „Wer aber ganz grundsätzlich mehr Menschen in den öffentlichen Nahverkehr bringen will, der muss schon jetzt über eine noch engere Taktung und damit einen noch weitergehenden Ausbau nachdenken.“ So stehe in den benachbarten Niederlanden schon heute ein 7-Minuten-Takt im Regionalverkehr zur Debatte.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung