Rhein-Maas-Klinikum in Würselen derzeit ohne Gynäkologie

Personalproblem in der Gynäkologie : Rhein-Maas-Klinikum meldet vorübergehend Frauenheilkunde ab

Am Rhein-Maas-Klinikum (RMK) hat man sich in den vergangenen Monaten erkennbar bemüht, darüber zu informieren, was sich im Hause so tut. Wird ein „Rollator-Führerschein“ angeboten, werden Presse und Öffentlichkeit darüber ebenso zuverlässig per E-Mail in Kenntnis gesetzt wie über den nächsten Blutspendetermin.

Wird hingegen eine Klinik abgemeldet, erfahren die Presse und die meisten anderen, die sich dafür interessieren könnten, das nur auf Nachfrage. Oder wenn sie sich zufällig in den „News“-Bereich auf der Homepage des Krankenhauses klicken.

„Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist ab 1. April bis auf Weiteres abgemeldet“, steht da. Es folgt ein mit fünf Sätzen recht übersichtlicher Text,  in dem erklärt wird, dass ein neues Konzept für die Gynäkologie erarbeitet werde, womit jedenfalls klar ist, dass „Abmeldung“ nicht gleichbedeutend ist mit einer (dauerhaften) Schließung. Einstweilen kooperiere man mit dem St. Antonius Hospital in Eschweiler, heißt es weiter. Niedergelassene Ärzte, Not- und Rettungsdienst und die Bezirksregierung seien informiert worden.

Bislang galt nur die Geburtshilfe als eine Baustelle des RMK. Im März 2018 musste der Kreißsaal geschlossen werden, als Grund wurde der hohe Krankenstand genannt. Damals grassierte eine Grippewelle, die auch anderen Krankenhäusern in der Region zu schaffen machte. Etwa zur selben Zeit machte der allgemeine Mangel an Hebammen in Deutschland Schlagzeilen.

Damals wurde kein Zweifel daran gelassen, dass die Schließung der Geburtshilfe auf keinen Fall ein Dauerzustand sein soll: Im Mai 2018 beteuerte der damalige Geschäftsführer René A. Bostelelaar, dass das Haus zur Geburtshilfe stehe – und verwies auf einen entsprechenden Gesellschafterbeschluss. Dass dieser Beschluss zwischenzeitlich ins Wanken geraten ist, ließ die
Chefetage im Februar dieses Jahres durchblicken. Andreas Schlüter, der kurz zuvor die Nachfolge des geschassten Bostelaar angetreten hatte, erklärte, seine Empfehlung laute, den Betrieb der Geburtsstation nicht wieder aufzunehmen. Dabei soll es offenbar auch bleiben.

Dass nun die ganze Gynäkologie abgemeldet ist, hat jedoch völlig andere Gründe. Dies erläuterte am Dienstag der Ärztliche Direktor des RMK, Professor Georg Mühlenbruch, im Gespräch mit unserer Zeitung. Zum Jahreswechsel sei eigentlich ein neuer Chefarzt in Würselen erwartet worden, der dann jedoch kurzfristig abgesagt habe.

So glücklich man sich bis zur Absage mit der Personalie geschätzt hatte, so „blank“ habe man nun plötzlich dagestanden, räumt Mühlenbruch ein. Man habe noch „bis kurz vor knapp“ versucht, die Abmeldung der Gynäkologie abzuwenden, sich jedoch schließlich eingestehen müssen, dass die „Versorgung auf höchstem Niveau“ bis auf Weiteres nicht gewährleistet werden könne. Zum 1. April folgte die Abmeldung.

Antrag der FDP-Fraktion

Der Schritt wirkt vor dem Hintergrund der selbstbewussten Verlautbarungen der vergangenen Monate denkbar unglücklich. Als „Maximalversorger mit universitärem Anspruch“ werde das RMK positioniert, erklärte Tim Grüttemeier (CDU), der als Städteregionsrat auch Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, im März und kündigte Investitionen von 55 Millionen Euro an.

Das Stammkapital des RMK wird zu 50 Prozent durch die Städteregion gehalten, was den Umstand erklärt, dass weitreichende Entscheidungen zuverlässig zum Politikum werden. Und auch zur Gynäkologie ist bereits Gesprächsbedarf angemeldet worden. Die FDP-Fraktion im Städteregionstag hat deren Wiedereinrichtung beantragt. „Bei einem Klinikum können Patienten eine Vollversorgung erwarten“, führt die Fraktion in ihrem Antrag aus. Und: „Auch die Ärzte in den verschiedenen Abteilungen brauchen gynäkologische Konzile.“

Der Antrag lässt den Eindruck entstehen, dass auch die Politik bislang mit Informationen zu dem Vorgang nicht unbedingt überschüttet wurde. Denn offenbar rennt die FDP am RMK Türen ein, die ohnehin sperrangelweit offen stehen. „Zu einem Klinikum gehört ganz klar eine Gynäkologie“, erklärte der Ärztliche Direktor Professor Mühlenbruch am Mittwoch.

Man sei auf der Suche nach einem neuen Chefarzt, mit dessen Unterstützung der Betrieb der Gynäkologie möglichst noch dieses Jahr wieder aufgenommen werden solle. Die Zuversicht sei groß, und zwar gerade mit Blick auf die Tatsache, dass nach dem „schwierigen“ Jahr 2018 für alle anderen vakanten Chefarztposten „hervorragende“ Nachbesetzungen gefunden worden seien. „Es ist neuer Wind ins System gekommen, es geht vorwärts.“

Mehr von Aachener Zeitung