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Wegen Corona: Rettungsdienst DLRG befürchtet Zunahme tödlicher Badeunfälle

Wegen Corona : Rettungsdienst DLRG befürchtet Zunahme tödlicher Badeunfälle

Mal eben kurz ins Schwimmbad – in diesem Sommer geht das nicht wegen der Corona-Regeln. Umso mehr Menschen könnten auf unbewachte Gewässer ausweichen, fürchtet der Rettungsdienst DLRG. Und die seien gefährlich – besonders für ungeübte Schwimmer.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft in Nordrhein-Westfalen befürchtet eine Zunahme der Badetoten in diesem Jahr. Die Gefahren des Schwimmens in unbewachten Kanälen, Flüssen, Seen und Baggerlöchern würden unterschätzt, sagte Michael Grohe, der Sprecher der DLRG Nordrhein, der Deutschen Presse-Agentur. Wegen der Coronavirus-bedingten Beschränkungen könnten mehr ungeübte Schwimmer auf solche Freigewässer ausweichen, sagte er. Denn viele Schwimmbäder verlangen eine Online-Reservierung und lassen weniger Gäste als sonst hinein.

Grohe warnte allgemein davor, in unbekannten Gewässern zu schwimmen. „Es ist unsere Sorge, dass sich mehr Menschen in Gefahr begeben, als das sonst schon der Fall ist“, sagte der Sprecher der ehrenamtlichen Retter über die besondere Situation in diesem Jahr. Neulinge könnten sich stärker als Schwimmer gefährden, die die Örtlichkeiten kennen. 2019 ertranken in Nordrhein-Westfalen 65 Menschen, die meisten von ihnen in Flüssen und Seen.

Erst am Freitagabend ertrank ein elfjähriges Mädchen im Adolfoseee im Kreis Heinsberg. Am Samstag musste auf dem Rursee bei Woffelsbach eine Jugendgruppe in Ruderbooten, die aufgrund von Wind und Strömung nicht mehr zum Ufer zurückkommen konnte, von der DLRG an Land gebracht werden. Zwei Jugendliche kamen ins Krankenhaus.

Bei einem tragischen Unglück Ende Juni hatte im hessischen Trebur eine Mutter vergeblich versucht, ihren fünf Jahre alten Sohn vor dem Ertrinken im Rhein zu retten. Die 30-Jährige kam ebenfalls im Fluss um. In Bonn überquerte ein Mann mit einem aufblasbaren Gummi-Flamingo den Rhein. Die Feuerwehr schickte 45 Retter, einen Hubschrauber und mehrere Boote los. Der Mann wurde dann wohlauf am Ufer entdeckt. „Man kann dies nur als brandgefährlich einschätzen“, kommentierte ein Polizeisprecher.

Die Düsseldorfer DLRG wurde in diesen Jahr bereits extrem häufig auf dem Rhein gerufen: Die ehrenamtlichen Retter hatten bis Ende Juni bereits 42 Einsätze. Das waren mehr als im ganzen letzten Jahr mit 38 Einsätzen. Die Umstände der Corona-Krise könnten eine Erklärung für die Zunahme sein, meinte ein Sprecher: Denn für viele fallen die klassischen Sommerferien aus, und für einen Freibadbesuch müsse man sich anmelden.

Es habe viele Einsätze am beliebten Paradiesstrand am Rhein in Düsseldorf gegeben, wo Schwimmer von der Strömung in den Fluss gezogen wurden. Es habe aber bisher in diesem Jahr keinen Einsatz gegeben, bei dem eine Person tot geborgen werden musste.

Die DLRG Nordrhein betonte, dem Rhein sehe man nicht an, wie gefährlich er durch die reißende Strömung sei. In Bonn seien seine Kollegen schon mit einem Boot zu Menschen im Wasser gefahren und hätten sie persönlich gewarnt, berichtete Michael Grohe.

(dpa)