Bericht aus der „Sportschau“: Reiter-Verband wehrt sich gegen Vorwürfe von sexuellem Missbrauch

Bericht aus der „Sportschau“ : Reiter-Verband wehrt sich gegen Vorwürfe von sexuellem Missbrauch

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, einen Fall sexuellen Missbrauchs nicht konsequent aufgearbeitet zu haben.

Die ARD-„Sportschau“ zitiert in der am Samstag ausgestrahlten Sendung „Das große Tabu - sexueller Missbrauch im Sport“ anonym den Vater eines Opfers mit der Aussage, dass die FN nicht auf seine Familie zugekommen sei: „Ich habe mich sofort gefragt, auf welcher Seite der Verband steht. Auf der Seite des Opfers oder auf der Seite des Täters?“

In einer Pressemitteilung schrieb die FN dazu: „Wir bedauern es, dass mehrere Kontaktaufnahmen von Seiten der FN und des zuständigen Landesverbandes mit der Opferfamilie im Januar 2013 sowie im August 2014 als nicht ausreichend wahrgenommen wurden.“ Der TV-Beitrag kritisiert zudem, dass der beschuldigte Reiter wieder für Deutschland antreten durfte. „Heute würden wir mit einem wie im Beitrag geschilderten Fall anders umgehen“, teilte die FN mit.

Auf rund 200.000 Betroffene bezifferte die Sendung die Zahl der Opfer sexuellen Missbrauchs im Sport und zitiert eine noch unveröffentlichte Studie der Uniklinik Ulm, über die die Tageszeitung „Die Welt“ zuerst berichtet hatte. „Wir haben in Deutschland im Sport ungefähr doppelt so viele Fälle wie in der katholischen Kirche“, sagte der Ulmer Kinder- und Jugendpsychiater Jörg Fegert. „Wir haben eine Bewusstseinsentwicklung nötig in diesem Bereich.“

Der Deutsche Olympische Sportbund haben im Mai dazu aufgerufen, die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundes zu unterstützen. „Wir versprechen uns davon auch weitere Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Prävention von sexualisierter Gewalt im Kinder- und Jugendsport, die bei uns einen hohen Stellenwert hat“, heißt es in einem Positionspapier.

(dpa)
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