Olympische Spiele 2032: Region soll zum „Reallabor“ werden

Olympische Spiele 2032 : Region soll zum „Reallabor“ werden

Ziemlich sicher ist es bundesweit der längste laufende Wahlkampf, den Michael Mronz gerade führt. Der erfolgreiche Sportmanager und CHIO-Vermarkter will die Olympischen und Paralympischen Spiele 2032 nach NRW, in die „Metropolregion Rhein-Ruhr“ holen.

Die Idee verfolgt er seit drei Jahren. Damals war es noch eine private Initiative, inzwischen macht sich schon die Landesregierung für das Projekt stark. Zu verlockend ist die Perspektive. Das Nationale Olympische Komitee (NOK) hält sich mit der Zuneigung noch zurück. Regelmäßig wurde es zuletzt zurückgepfiffen, wann immer die Bevölkerung über Olympiapläne abstimmen durfte. Bis Mitte nächsten Jahres will sich das NOK nun erklären.

Ausschreibungsvorgaben geändert

Rückenwind für die Rhein-Ruhr-Initiative kommt dagegen von „ganz oben“, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), das irgendwann im Jahr 2025 über die Vergabe befinden will. Der skandalumtoste Dachverband hat vor ein paar Tagen die Ausschreibungsvorgaben geändert. Inzwischen können sich auch Regionen bewerben. Bislang war das den großen Städten vorbehalten. Längst muss auch das IOC wenig amüsiert registrieren, dass die Nachfrage, solche Spiele auszutragen, immer überschaubarer wird. Und noch eine andere Idee will das IOC verfolgen: Die Olympiamacher wollen von sich aus auf Regionen zugehen, die neue Wege gehen.

Mronz und seine Mitstreiter macht das Hoffnung. 90 Prozent der Sportstätten seien an 14 Standorten (darunter Aachen für die Reitsport-Wettbewerbe) bereits vorhanden, das Olympische Dorf könne in einer Stadt mit akutem Wohnraumbedarf entstehen. Es sollen nachhaltige Spiele werden, die ersten plastikfreien der Geschichte, wirbt er.

Und dann soll es ein Argument geben, das am Ende des Tages überzeugend sein soll. „Wir möchten nicht Olympische Spiele nach NRW holen, damit darüber die Region modernisiert wird. Die Region muss vielmehr so modern sein, so innovativ aufgestellt sein, dass die Olympischen Spiele in die modernste Region Europas kommen wollen.“

Das ist der Anspruch, die Realität sieht noch anders aus. Nordrhein-Westfalen wolle mit der Entwicklung eines hochmodernen, umweltfreundlichen Verkehrssystems punkten, sagt Armin Laschet, der Ministerpräsident des Staulandes. Der CDU-Politiker besucht den hochkarätig besetzten Kongress „Metropolitan Cities“, der am Dienstag und Mittwoch zum zweiten Mal seit 2018 in Aachen stattfindet. Wenn nämlich die Spiele finanziell nachhaltig und klimaneutral würden, „dann ist – glaube ich – die Zustimmung in der Bevölkerung viel größer“, sagte Laschet.

Viele Dax-Unternehmen haben ihre Vorstände in den Quellenhof geschickt, viele Parteien ihre Minister oder Vorsitzenden. Es ist eine Kontaktbörse, aber gleichzeitig werden viele Ideen vorgestellt. Vernetztes weitgehendes emissionsfreies Fahren, Fahrzeuge, die miteinander korrespondieren, ein eng getakteter ÖPNV mit einem einheitlichen Tarifsystem, Seilbahnsysteme, On-Demand-Mobilität, Flugtaxis, neue Mobilitätsanbieter wie Uber, Flixbus – es gibt viele gut klingende Lösungen.

Die Arbeitsgruppen haben auch zwischen den Kongressen neue Strategien entwickelt. Olympia rückt näher. Günther Schuh, RWTH-Professor, Autobauer, E-Mobilitätsforscher und Kongress-Mitinitiator, schlägt vor, dass die Bundesnetzagentur für die Region eine Lizenz für den Betrieb von „hochautomatisierten Fahrzeugen“ ausschreiben soll. So könne die öffentliche Hand die Regeln vorgeben, während für die Innovationen potente Unternehmen zuständig wären. Das ist seine Idee, um konkreter zu werden.

Zu selbstgefällig?

Die Olympiabewerbung soll eine (digitale) Kettenreaktion auslösen, aber auch losgelöst von dem Projekt soll das Land zukunftsfähig gemacht werden. „Die Zukunft wartet nicht“, ist der Kongress überschrieben. Die wachsende Ungeduld oder auch Sorge schimmert immer wieder durch bei den Vorträgen. Donatus Kaufmann, Vorstand bei Thyssenkrupp, beklagt Selbstgefälligkeit und mahnt einen größeren Fortschrittshunger“ an. „Die Zeit drängt. Wir fallen weiter zurück, wenn wir nichts ändern“, sagt der Manager, der viel in Ländern unterwegs, die die Mobilität viel rigidier digitaliseren . „Unser Wissen alleine reicht nicht mehr aus, wir müssen unsere Kompetenz dann auch vernetzen.“

Dazu dient dann dieser Kongress in Aachen. Die „Metropolregion Rhein-Ruhr“ könne, so ist die Hoffnung, ein „Reallabor“ für die Digitalisierung werden. Die Zielmarke „Olympia 2032“ soll den Fortschritt beschleunigen.