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Aachen: Region nimmt Schulverband an

Aachen : Region nimmt Schulverband an

Zweckverband der Berufskollegs - Chancen und Risiken. Diesem Thema stellte AZ-Redakteur Peter Sellung beim ersten AZ-Forum Bildung im Grünenthal Bildungszentrum, zu dem über 180 Interessierte kamen.

Ohne Zweifel sind die Erwartungen an das Teilprojekt der Städteregion groß: Weitere Qualitätsverbesserung, flexiblere Anpassung der Schulen an Bildungsanforderungen, bessere Nutzung der Ressourcen bei gleichzeitig ortsnaher Beschulung sind nur einige Stichworte, die bei der Podiumsdiskussion angesprochen wurden. Bei Lehrern, Auszubildenden und Betrieben überwog die Aufgeschlossenheit, es war aber auch Skepsis gegenüber dem Schulverband zu spüren.

Als „Maßstabsvergrößerung” der bisherigen guten Leistungen der Berufskollegs im Dualen Ausbildungssystem sieht Michael Wirtz, IHK-Präsident und Grünenthal-Geschäftsführer, das Projekt Schulverband. Er kann sich eine weitere Ausweitung auf die angrenzenden Kreise vorstellen, wenn denn die Akzeptanz stimme. „Die ist für den Erfolg wichtig.”

Auch für Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, überwiegen die Vorteile: „Ressourcen können besser ausgelastet, Doppelinvestitionen vermieden werden, die schulische Ausbildung ist besser zu koordinieren”, skizzierte er seine Vorstellungen vom Schulverband.

Beide wiesen aber auf die Wichtigkeit der Ortsnähe der Kollegs hin. „Die Belastung der Jugendlichen ist ohnehin schon sehr hoch.” Jürgen Bartholomy, Berufskollegsleiter und Mitglied der Lenkungsgruppe Schulverband, sieht bei den Jugendlichen hingegen durchaus Bereitschaft zur Mobilität: „Das Ausbildungsverhalten ist nicht an Kommunalgrenzen orientiert.”

Der Schulleiter machte aber auch deutlich, dass die Einrichtung einer Klasse von der Zahl der Azubis in der Region abhänge.

„Bildungsangebote abstimmen, neue Berufsbilder anbieten, Spezialisierung ermöglichen, Know-How-Transfer”, formuliert Kreis-Beigeordneter Gregor Jansen seine Visionen vom Schulverband. Ähnlich sieht es Regierungspräsident Jürgen Roters, dem die Schulaufsicht obliegt: „Flexible Lehrerverteilung in der Region, Nutzung technischer Ausstattung, anpassungsfähige Lösungen für Blockunterricht - das alles ist im Schulverband leichter.”

Auch die Lehrerfortbildungen, für die nicht mehr so viel Mittel zur Verfügung stehen, ließen sich im Schulverband besser organisieren. „Hier die Zusammenarbeit mit den Hochschulen zu suchen, ist eine sehr gute Idee”, nahm Roters eine Anregung aus dem Publikum auf.

Gleichzeitig warnte er vor überzogenen Erwartungen. „Wir sollten uns am Anfang nicht überheben. Wir dürfen den Schulen den Verband nicht überstülpen, sondern müssen sie einbinden.” Die Kommunikation in die betroffenen Lehrerkollegien und Ausbildungsbetriebe scheint bis zur Gründung im September eine der Hauptaufgaben zu sein. „Wir sollten die Kollegen nicht erschrecken, sondern auf ihr Interesse setzen”, forderte Bartholomy.