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Fahndung in der Grenzregion: Rechtsextremer Soldat in Belgien weiter flüchtig

Fahndung in der Grenzregion : Rechtsextremer Soldat in Belgien weiter flüchtig

Einsatzkräfte der belgischen Polizei und Armee sind auf der Suche nach dem Unteroffizier Jürgen Conings. Der 46-Jährige hatte vor seinem Abtauchen in seiner Kaserne ein größeres Waffenarsenal mitgehen lassen.

Belgische Ermittler haben am Freitag auch nach tagelanger Großfahndung weiter nach einem mutmaßlich rechtsextremen Berufssoldaten gesucht. Hunderte Einsatzkräfte durchkämmten bis in die Nacht zum Freitag erfolglos den Nationalpark Hoge Kempen an der Grenze zu den Niederlanden. „Die Tatsache, dass er nicht gefunden wurde, bedeutet nicht unbedingt, dass er nicht in der Gegend ist oder war“, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft der Nachrichtenagentur Belga zufolge. Es habe konkrete Hinweise gegeben, dass der 46-Jährige in dem Park gewesen sei.

Die belgischen Behörden sind seit Dienstagnachmittag auf der Suche nach dem Soldaten. Der Mann hatte in einem Brief staatlichen Strukturen und mehreren öffentlichen Personen mit einem Anschlag gedroht. So hatte er schon zuvor öfter einem bekannten flämischen Virologen, der belgische Behörden in der Coronavirus-Pandemie berät, mit dem Tod gedroht. In einem Waldstück nahe der Grenze wurde am Dienstag mutmaßlich das Auto des Gesuchten mit schweren Waffen gefunden. Die Behörden gehen davon aus, dass er auch weiterhin bewaffnet ist, da er direkten Zugang zur Waffenkammer seiner Armee-Einheit hatte. Aufgrund rechtsextremer Sympathien steht der gesuchte Soldat auf einer Terroristenliste der belgischen Anti-Terror-Behörde Ocam.

Die belgische Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder schloss unterdessen einen Rücktritt aus. Die Kritik am Ministerium war seit Bekanntwerden der Umstände laut geworden. Dedonder ist erst seit Oktober 2020 im Amt und kritisierte ihren Vorgänger, zu wenig investiert zu haben. Die Ministerin sagte dem Bericht zufolge weiter, dass interne Untersuchungen eingeleitet werden sollen, in denen auch die Verfahren für den Zugang zu militärischen Unterkünften und Waffendepots beleuchtet werden sollen.

 Polizei und Militär sind auf der Suche nach dem als extrem gefährlich eingestuften Unteroffizier Jürgen Conings.
Polizei und Militär sind auf der Suche nach dem als extrem gefährlich eingestuften Unteroffizier Jürgen Conings. Foto: Jungmann

Premier Alexander De Croo sagte dem Sender VTM zuvor, es sei inakzeptabel, dass jemand der auf der Ocam-Liste stehe, in der Armee aktiv sei und Zugang zu Waffen bekomme. Er plant nun einen Aktionsplan zur strukturellen Überwachung von radikalisierten Personen in den Streitkräften, wie ein Sprecher laut Belga mitteilte.

Bei der Aachener Polizei sind in den vergangenen Tagen mehrere Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, denen zufolge Jürgen Conings im Aachener Raum gesehen worden war. Doch diese Hinweise hätten sich bei Überprüfung als falsch herausgestellt, sagte Polizeisprecher Frank Plum am Freitagvormittag auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Polizei habe die Situation im Auge und stehe auch mit belgischen und niederländischen Sicherheitsbehörden im Austausch. Konkrete Sicherheitsvorkehrungen sind nach Einschätzung des Aachener Präsidiums aber bislang nicht erforderlich geworden. Auch vorsorgliche Moscheeschließungen gebe es auf deutscher Seite bislang nicht, sagte Plum. Für die Bevölkerung in der Städteregion Aachen bestehe derzeit kein Anlass zur Besorgnis.

(dpa)