Aachen: „Recht im Zentrum“: Mühsamer Weg von der Reisepleite zum Schadenersatz

Aachen: „Recht im Zentrum“: Mühsamer Weg von der Reisepleite zum Schadenersatz

Das Fazit dieser Veranstaltung: Die Europäische Union gibt intensive Hilfestellung, wenn Reisende Ärger mit Fluggesellschaften haben — aber um tatsächlich einen Schadenersatz zu erringen, muss man als Verbraucher nervenstark und als Jurist extrem ausgefuchst sein: „Ärger in der Luft“ lautete das Thema beim Forum „Recht im Alltag“ im Justizzentrum Aachen.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung im Rahmen des Europäischen Tages der Justiz durch das Bundesamt für Justiz, das NRW-Justizministerium und die euregionale Richterplattform „Forum ad Mosam“ in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung, die Moderator Manfred Kutsch repräsentierte. Unter den Gästen: NRW-Justizminister Peter Biesenbach und Margarete Gräfin von Schwerin, Präsidentin des Oberlandesgerichts Köln. sowie Stefan Weismann, lange Jahre Präsident des Landgerichts Aachen und Mitgründer des Forums, der kürzlich die Präsidentschaft des Landgerichts Bonn übernommen hat.

Zum Auftakt erinnerte Heinz-Josef Friehe, Präsident des Bundesamtes für Justiz, daran, dass der Europäische Tag der Justiz auch für das vereinte Europa werbe. „43 Millionen Deutsche sind bereits im ersten Halbjahr 2017 von einem deutschen Flughafen aus ins Ausland geflogen“, betonte er.

Die vom Bundesamt geschaffene internationale Schlichtungsstelle für den Luftverkehr hat viel zu tun. „Uns geht es nicht nur um Reisemängel“, erläuterte Friehe. Das Bundesamt kümmere sich zudem um die Rückführung von Kindern, die ein Elternteil widerrechtlich in ein anderes Land gebracht hat, um grenzüberschreitende Unterhaltsansprüche sowie um Anerkennung von Adoptionen, die im Ausland erfolgt sind. Wenn die „Europäische Fluggastrechteverordnung“ ins Spiel kommt, braucht man Experten — zum Beispiel Professor Mike Wienbracke von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen/Bocholt/Recklinghausen.

„Schwerpunkte sind Nichtbeförderung trotz eines Tickets, Annullierung, Verspätung eines Fluges und Probleme mit dem Gepäck“, meinte Wienbracke. Wichtig: Bevor der Verbraucher die Schlichtungsstelle anrufen kann, muss er sich bei der Fluggesellschaft beklagen — nachweislich. Tipps rund um die Schlichtung lieferte Helia-Verena Daubach vom Bundesamt für Justiz. Hier könne sich der Betroffene online bei der „söp“, der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, gut informieren und sogar schon Kontakt aufnehmen (Internet: https://soep-online.de; Telefon 0228/99410-6120).

Einen Blick Richtung 2018 mit neuen gesetzlichen Feinheiten ermöglichte Martin W. Huff aus Köln. Er stellte fest: „Je mehr Verbraucher sich ihre Reise per Internet organisieren, umso schwieriger wird es bei Pannen.“ Und was das Europäische Verbraucherzentrum in Kehl zu leisten vermag, das etwa Sprachbarrieren überwinden hilft, erläuterte Bernhard Borsche.

In der Fragerunde wurde klar: Ist eine Airline insolvent, gibt es keine Entschädigung. Und ob ein Mitreisender, der mehr als seinen Sitz ausfüllt, als „Mangel“ anerkannt wird, gilt als unwahrscheinlich.

Mehr von Aachener Zeitung