Aachen: „Recht im Zentrum“: Grundgesetz als sichere Basis begreifen

Aachen: „Recht im Zentrum“: Grundgesetz als sichere Basis begreifen

Informationen, Positionen, Emotionen: Das 25. Justizforum unserer Zeitung „Recht im Zentrum“ in Kooperation mit der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und dem Justizzentrum Aachen widmete sich einem Thema, das all dies bot.

Das Motto „Flüchtlinge: Rechte und Pflichten“ wurde im Atrium mit der Frage kombiniert: „Sind unsere Werte in Gefahr?“ Moderator Manfred Kutsch vom Zeitungsverlag Aachen begrüßte vor über 220 interessierten Zuschauern nicht nur Juristen und Aktive der Stiftung, sondern auch drei Gäste, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und sich hier ein neues Leben aufbauen.

„Seit den Vorfällen am Silvesterabend in Köln hat sich die Willkommenskultur in Deutschland verändert.” Kutsch sprach aus, was vielen Kopfzerbrechen bereitet. Mamin Miah (21) aus Bangladesch, Auszubildender an der RWTH, Masafer Yousseff (20), kurdischer Jeside aus dem Nordirak, und Mustafa Ahmed (44) aus Syrien, der mit seiner Familie ein Café in Aachen betreiben, sind darüber entsetzt. „Man kann das nicht entschuldigen, aber es wird mit dem Alkohol zu tun haben“, meinte Yousseff.

Als Hausherr freute sich Stefan Weismann, Präsident des Landgerichts Aachen, darüber, dass auch zahlreiche juristische Kollegen im Publikum sitzen. In seinen einführenden Worten wurde klar, wie sehr ihm das gesellschaftliche Miteinander am Herzen liegt. „Recht ist gelebtes Recht“, sagte er. „Wir haben es von Kindheit an gelebt. Aber was wäre, wenn wir plötzlich im Kongo oder im Iran leben müssten?“ Eine „Botschaft“ sei der Ort der Veranstaltung — das Haus des Rechtes. „Unsere Pflicht ist es, auf andere zuzugehen. Wir können ihnen sagen, was bei uns Recht ist und was nicht. Recht gibt Sicherheit.“ Die vor elf Jahren gegründete Bürgerstiftung Lebensraum Aachen will dabei helfen und hat eine in sieben Sprachen vorliegende Schrift entwickelt, bei der auf vier übersichtlichen Seiten erklärt wird, wie das Grundgesetz als gesellschaftliche Basis gelebt werden sollte.

Hans-Joachim Geupel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, schilderte das Projekt. Der Weg dorthin müsse ein Miteinander sein und verlange von denen, die in Deutschland leben wollen, Interesse, Verstehen, Lernen und Akzeptanz, betonte Norbert Greuvon der Bürgerstiftung. Hier hat man eine Präsentation entwickelt, bei der die wichtigsten Grundrechte erklärt und ins Gespräch gebracht werden. „Integration ist keine Assimilation sondern eine Wertschätzung der Vielfalt,“ betonte Greuel.

Dass es da immer wieder Probleme gibt, zeigten Fragen aus dem Publikum. Eine ehrenamtliche Helferin weiß nicht, wie sie eine strenggläubige Familie davon überzeugen soll, dass die Tochter beim Schwimmunterricht mitmachen muss „Der Unterricht ist verpflichtend“, sagte Landgerichtspräsident Weismann sehr bestimmt dazu. „Es darf keine Rosinenklauberei beim Grundgesetz geben!“ Und Greuel hat einen Tipp: „Ganzkörperbadeanzüge tragen schon viele Mädchen.“

In der letzten Talkrunde ging es noch mal um die Gäste und den Neuanfang nach traumatisierenden Fluchterlebnissen. Was für sie in Deutschland besonders schwer war und ist: die Trennung von der Familie, Heimunterbringung und das Arbeitsverbot, solange das Asylverfahren nicht abgeschlossen ist. Die Grundfrage dieses Justizforums beantwortete Mamin eindringlich: „Im Zusammenleben und in der Zusammenarbeit werden wir alle stärker.” Nur eine Kritik gab es an die Adresse der Organisatoren: „Es fehlen Frauen auf dem Podium, Sie haben nur Männer eingeladen, das ist nicht richtig”, sagte eine Zuhörerin. Kutsch gelobte Besserung und ließ den Hilferuf einer afghanischen Juristin zu, die eine kleine Wohnung für ihre junge schwangere Klientin sucht. Übrigens: Die Bürgerstiftung bietet ab September einen Integrationskurs für Frauen an.

Das nächste Justizforum findet am 9. November zum Thema „Insolvenz“ im Justizzentrum statt.