Eschweiler: Raststätte Aachener Land: 70 neue Lkw-Parkplätze gegen das Chaos

Eschweiler: Raststätte Aachener Land: 70 neue Lkw-Parkplätze gegen das Chaos

Noch immer kommt es an der Raststätte Aachener Land Nord regelmäßig zu einem Parkchaos, stehen viele Lastwagen an der A4 oftmals dort, wo sie nicht parken dürfen: in zweiter Reihe, auf Pkw-Parkplätzen, am Grünstreifen oder — wenn es auf den Abend oder das Wochenende zugeht — sogar im Einfahrtbereich des Rastplatzes in Fahrtrichtung Aachen. Und dies bereits mit grausamen Folgen.

Im November 2010 fand ein tschechischer Lkw-Fahrer wegen der Parkplatznot den Tod. Ein tragischer Unfall. Damals stellte der Trucker seinen Sattelzug wegen eines Rückstaus auf dem Verzögerungsstreifen zur Raststätte ab. Als er ausstieg, wurde er von einem Pkw erfasst und getötet. Dramatischer hätte den Verantwortlichen nicht vor Augen geführt werden können, dass etwas geschehen muss.

Ab dem 13. August soll nun alles besser werden. Nachdem 2003 der Rastplatz Aachener Land Süd in Fahrtrichtung Köln um rund 90 auf 130 Pkw-Parkplätze sowie um 55 auf 75 Lkw-Stellflächen erweitert worden ist, ist jetzt die Baustelle auf der anderen Seite soweit. „Endlich“, sagt nicht nur Klaus Erdorf vom Landesbetrieb Straßen.NRW. Denn die Baustelle verzögerte sich vor allem aus planungsrechtlichen und witterungsbedingten Gründen um den einen oder anderen Monat. Im April 2011 begannen die Arbeiten für den Bau des Regenrückhaltebeckens, das wegen der neuen Parktaschen nötig geworden war, im Juli 2012 gingen die eigentlichen Arbeiten für den Rastplatz los, der nach 16 Monaten im November 2013 komplett fertig sein soll. Wie gesagt: endlich.

Noch nicht komplett fertig

So richtig fertig ist die Anlage zwar auch jetzt noch nicht, sagt Erdorf. „Aber wir nehmen die neuen Parkplätze jetzt in Betrieb, um den extremen Druck so früh wie nur eben möglich zu mindern. Auch wenn die Lastwagen noch einige Monate über eine provisorische Fahrbahn rollen müssen.“ Aus 26 Lkw-Stellplätzen sind 95 geworden, die Anzahl der Pkw-Parkplätze wurde auf 100 verdoppelt, und aus drei Stellplätzen für Pkw mit Hänger beziehungsweise Reisebusse wurden zehn.

Zudem kann nun jederzeit ein Parkplatz-Leitsystem eingeführt werden, mit dessen Hilfe die Lkw-Fahrer künftig an der Einfahrt sehen, wie viele Stellplätze frei sind. „Zwar haben wir die Vorbereitungen dafür getroffen, dass das System eingeführt werden kann“, sagt Erdorf. Doch wann das Berliner Bundesverkehrsministerium grünes Licht gibt, sei noch nicht klar.

„Bund und Länder haben in Pilotvorhaben verschiedene Detektionsverfahren zur Erkennung der Lkw getestet“, heißt es beim Ministerium. Auf dieser Grundlage sei ein Lkw-Parkleitsystem für einen Abschnitt der A 9 in Bayern ausgeschrieben worden, das 2014 in Betrieb gehen und Erfahrungswerte liefern soll. „Mittelfristiges Ziel ist es, stark betroffene Autobahnabschnitte mit Lkw-Parkleitsystemen auszurüsten. Ein genauer Zeitpunkt lässt sich noch nicht bestimmen“, sagt Sprecher Ingo Strater.

Genauso unklar ist, ob die nun größer ausgelegte Rastanlage bei den steigenden Lkw-Zahlen, die immer mehr Güter von den Nordseehäfen über die West-Ost-Achse A4 nach Europa karren und immer mehr Parkraum für die die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten brauchen, ausreicht. „Wir sind der Meinung, dass wir ausreichend Parkraum schaffen“, sagt Erdorf. Zumal der Landesbetrieb derzeit auf vielen Rastanlagen und Parkplätzen buddelt und baggert.

Das ist auch bitter nötig. Denn nach einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen fehlten im Jahr 2008 bundesweit bei 28 500 vorhandenen Stellplätze auf Rastanlagen und Autohöfen circa 14.000, um den Bedarf zu decken. Die fortgeschriebene Prognose sieht einen Bedarf von weiteren 7000 Plätzen. Besonders stark betroffen: die westlichen Bundesländer, darunter NRW — vor allem an der A 3 und A 4.

„Der Ausbau der Parkplatzkontingente hat eine sehr hohe Priorität beim Bund, der die Kosten schließlich trägt“, sagt Erdorfs Kollege Karl-Josef Reinartz.

Während östlich von Köln an den Autobahnachsen 1, 3 und 4 kräftig ausgebaut wird und in den nächsten Jahren insgesamt rund 1000 Lkw- und Pkw-Stellplätze entstehen sollen, listet Reinartz mit den Anlagen Peppenhoven (A 61), Ville (A 1) oder Am alten Hau (A 553) nur einige im weiteren Umkreis auf, die gerade erweitert werden oder bereits wurden. Außerdem sei der Ausbau der Anlage Rurscholle an der A4 bereits in der Planung. Reinartz: „Wir tun was.“ Aber ob das reicht, wird man wohl erst in den nächsten Monaten absehen können.

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