Aachen/Düren: Ralf Richter baut mit am Denkmal für die Region

Aachen/Düren: Ralf Richter baut mit am Denkmal für die Region

„Kamera! Und...bitte!“ — Eine geläufige Ansage für erfahrene Schauspieler, hundertfach gehört, auch beim Dreh zu „Im Winter so schön“, dem ehrgeizigen Krimi-Komödien-Filmprojekt der Aachener Studenten Matthias Mettenbörger, Daniel Rau und Piotr Kochalski.

Bei fünf Grad Minus und weit nach Mitternacht klingen diese Worte weitaus schriller in den Ohren der Protagonisten, die sich im Eifel-Dörfchen Simonskall für den Showdown-Dreh des Streifens eingefunden haben.

Showdown im Eifeldörfchen Simonskall: Die Schauspieler Christian Furrer, Katja Sallay und Julia Kluge (von links) bei den Dreharbeiten zur Krimikomödie „Im Winter so schön“. Gefilmt wurde auch an Schauplätzen in und um Aachen sowie in den Forensischen Kliniken Düren. Foto: Alexander Barth, Teee Party

Für einen Film, der weitaus mehr werden könnte als „nur“ eine Bachelor-Arbeit: Mit viel Enthusiasmus, Detailverliebtheit und schmalem Budget basteln die drei an einem filmische Denkmal für die Region. Das Ergebnis läuft ab Herbst in ausgewählten Kinos, bislang stehen Aachen und Stuttgart als Spielorte fest. Das nötige Geld für die Produktion haben Mettenbörger, Rau und Kochalski mit Hilfe der immer populärer werdenden Idee des Crowdfunding (siehe Infobox), also Schwarmfinanzierung, zusammengebracht. Über das Internetportal startnext.de wurde im vergangenen Jahr Geld von Unterstützern angeworben. Auch weitaus prominentere Projekte werden mittlerweile so realisiert.

Heißes Pflaster Nordeifel: Daniel Johannes (li.) und Tom Keune als Polizisten. Foto: Alexander Barth, Teee Party

So haben in Köln jetzt die Dreharbeiten zum ersten Stromberg-Kinofilm begonnen. Mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle und vielen anderen Gesichtern der Fernsehserie geht Strombergs Versicherungsunternehmen in dem Film auf Betriebsausflug. Realisiert werden konnte auch dieses Projekt durch Crowdfunding: Innerhalb von nur einer Woche hatten im Dezember 2011 über 3000 Spender den Film mit einer Million Euro gesponsert. Dafür gibt es für die Geldgeber eine Beteiligung am Film. Gedreht werden soll bis April dieses Jahres. Geplanter Kinostart ist im Februar 2014.

Summen, von denen das Aachener Trio, das übrigens unter dem Namen „Teee Party“ firmiert, nur träumen kann. Exakt 20 005 Euro standen unter ihrem virtuellen Spenden-Strich. Eine stolze Summe, mit der allerdings keine „Wahnsinnssprünge“ möglich sind. „Der Großteil des Budgets geht für die Unterkunft und Verpflegung von Schauspielern und Crew drauf“, rechnet Matthias Mettenbörger vor. Hier kommt der Idealismus ins Spiel. Ein Projekt dieser Größenordnung, gefilmt in Kino- und TV-tauglicher Qualität, ist für die Drei nur machbar, weil Schauspieler und Stab komplett auf Gagen verzichtet haben. „Anders wäre das nicht drin gewesen. Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt, als wir die Akteure angesprochen haben.“ Die Profis im Team arbeiten mit Rückstellungsverträgen, in der Filmbranche ein durchaus übliches Modell. Nur, wenn die Krimi-Komödie kommerziell erfolgreich wird, fließt Geld.

Ursprünglich war „nur“ ein rund 30-minütiger Streifen geplant — als Bachelor-Arbeit eben. Dann ergab es sich, dass Schauspieler Ralf Richter zum Zugpferd der Idee eines abendfüllenden Spielfilms wurde. In einem vierminütigen Vorschau-Film — zu sehen auf Internet-Videoportalen und gedreht in einer Aachener Kneipe — wirbt der Charakterkopf für das Filmprojekt. Richter, bekannt geworden mit „Das Boot“ und als Ruhrpott-Gangster Kalle Grabowski in der Komödie „Bang Boom Bang“, animierte die Drei schließlich indirekt dazu, die Ambitionen ein ganzes Stück nach oben zu schrauben. Er selbst übernimmt im Film die Rolle eines Fleischers. Der Kontakt zu „Ralle“ kam per Zufall zustande: „Unser Darsteller Ivan Jurcevic, der bereits mit Ralf gearbeitet hat, brachte ihn einfach zum Dreh des Kurzfilms mit“, erinnert sich Matthias Mettenbörger und lächelt. „Wir waren total überrascht. Was für ein Glück für uns.“

Längst habe das Projekt „eine ganz eigene Dynamik bekommen, die über die Pflichtaufgabe Bachelorprüfung hinaus geht“, bekräftigt Daniel Rau. Die drei schicken sich an, der Region als Schauplatz einer schwarzen Krimi-Komödie ein filmisches Denkmal setzen. Herausgekommen ist „Im Winter so schön“, die Geschichte des Kleinkriminellen Erhard, der durch widrige Umstände in einem einsamen Eifelnest untertauchen muss. Ohne Chance auf ein Entkommen begibt er sich schließlich mit dem vorlauten Mädchen Emma auf die Suche nach dem großen Geheimnis, das das Dorf birgt. Das Drehbuch transportiert die Handlung in die winterlich-trübe Eifel, wo trotz nicht zu verleugnender Tristesse ein besonderes Flair herrsche, betont Mettenbörger. Dieses wollen sie auf die Leinwand bringen, als Kulissse für die schräge Krimihandlung.

Gedreht wurde etwa in Aachen, Vossenack oder vor der skurril-spannenden Kulisse von Haus 5 im stillgelegten Teil der Forensischen Kliniken Düren. Die meisten Außenaufnahmen entstanden im Eifelörtchen Simonskall — für die jungen Filmemacher ein besonderer Ort: „Er steht mit seiner Lage im tiefen Tal stellvertretend für alle einsamen Dörfer, die die Eifel eben zu bieten hat“, sagt Matthias Mettenbörger. Von ihm stammt das Drehbuchs.

Nicht nur Geldgeber suchten die drei Studenten händeringend. Auch die Posten der Maskenbildner, Beleuchter oder Kameraleute waren zunächst vakant. „Von Anfang an war klar: Wir zahlen mit Reputation, tun was für den Lebenslauf“, sagt Daniel Rau. „Egal ob Profi oder Laie, wir waren und sind für jede Hilfe dankbar. Ohne den Support von alten Hasen und neugierigen Nasen in der Branche hätten wir das Ding niemals durchziehen können.“ Einer von ihnen ist der Aachener Fotograf Ulf Krentz, der mit seinem Equipment und seinen Beziehungen das Niveau der Produktion maßgeblich gesteigert hat, zieht Daniel Rau den unsichtbaren Hut. Neben dem prominenten Ralf Richter als Nebendarsteller sind die wichtigsten Rollen mit ambitionierten Schauspielern besetzt, die meist Erfahrung in TV-Serien vorweisen können.

Einer von ihnen ist Christian Furrer, der die Rolle des Erhard spielt — für ihn die erste Hauptrolle in einem Film. „Das Tolle an dem Projekt ist, dass alle immer noch so gut zusammen halten — obwohl die Arbeit viel Geduld erfordert, denn immerhin laufen die Dreharbeiten nun schon seit über einem halben Jahr. Trotzdem ist die Stimmung nach wie vor sehr gut.“

Im Herbst 2012 starteten die Dreharbeiten. 22 Tage waren eingeplant. Mittlerweile sind es schon mehr als 30 geworden. „Vor allem das Wetter...“, stöhnt Matthias Mettenbörger. Nicht nur in der Nacht, bei Minus fünf Grad in Simonskall, ein Unsicherheitsfaktor, den die Region eben mitbringt. Ende April soll die letzte Klappe fallen. Doch die Verzögerung hat auch ihr Gutes: Kommissar Zufall und eine Portion Überzeugungsarbeit haben noch einen Prominenten auf die Besetzungsliste gespült. Im letzten Moment hat Kabarettist Jochen Busse zugesagt. „Er hat eine kleine, aber wichtige Sprechrolle“, verrät Daniel Rau, und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir halten es mittlerweile für sehr wahrscheinlich dass wir den Film verkauft kriegen.“ Das würde bedeuten: Ein Verleih bringt „Im Winter so schön“ ins Fernsehen oder auf die Kinoleinwände — und damit die Region und ihre drei Idealisten gleich mit.

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