Aachen/Eschweiler: Rachemord-Prozess: Angeklagter gesteht Messerangriff

Aachen/Eschweiler: Rachemord-Prozess: Angeklagter gesteht Messerangriff

Im Prozess um den Eschweiler Rachemord hat der wegen Mordes angeklagte Karl-Heinz H. (39) am Donnerstag vor dem Aachener Landgericht einen Großteil der Schuld auf sich genommen. Er gab zu, das Opfer Christian L. (29) am 14. August mehrfach mit der Faust auf den Kopf geschlagen, anschließend mit mehreren Messerstichen verletzt und dann stark blutend am Tatort liegengelassen zu haben.

In einer Erklärung, die von seinem Rechtsanwalt Hans-Joachim Poick aus Eschweiler verlesen wurde, bezeichnete H. dies als „den größten Fehler meines Lebens“, den er leider nicht mehr korrigieren könne, für den er aber die Konsequenzen tragen werde. Er bedauere zutiefst, der Familie des Opfers so großes Leid zugefügt zu haben; auch, dass er seiner eigenen Familie Leid zugefügt habe. Er bezeichnete es auch als „dumme Idee“, seinen mitangeklagten Arbeitskollegen Sven L. (26) und seine Frau Nadine H. (31) in die Sache hineingezogen zu haben. Sie habe nicht als Lockvogel herhalten wollen. Erst, als er sie geschlagen habe, habe sie eingewilligt.

Während sein Verteidiger dies vorlas, verlor Karl-Heinz H., ein schlanker, mittelgroßer Mann mit kahlrasiertem Kopf, die Fassung. Tränen liefen über sein Gesicht. Er sei nie auf die Idee gekommen, dass die von ihm und seiner Frau erhobenen Vorwürfe gegen Christian L. wegen angeblicher sexueller Belästigung ihrer Tochter nicht stimmen könnten. „Heute weiß ich“, sagte Karl-Heinz H., „Christian L. war völlig unschuldig.“

Er könne nicht mehr verstehen, wie es zu der Tat gekommen sei. Man habe Christian L. niemals töten wollen. Der Plan sei gewesen, ihn „nur“ zu bestrafen, also, ihn zu schlagen und zu verletzen, so der Angeklagte. Beim Zusammentreffen mit dem Opfer habe er dann jegliche Kontrolle verloren.

Karl-Heinz H., der im Gerichtssaal immer wieder heimlich die Blicke seiner ebenfalls wegen Mordes angeklagten Frau Nadine sucht, berichtete von den Wochen vor der Tat. Er sei in zunehmendem Maße unzufrieden mit seinem Leben gewesen: häufiger Streit mit seiner Frau wegen der Kinder, Probleme bei der Arbeit und ständiger Alkohol- und Drogenkonsum raubten ihm den Schlaf. Hinzu kamen finanzielle Sorgen, zu der Zeit gab Karl-Heinz H. allein 500 Euro pro Monat für Alkohol und Drogen aus.

Beides konsumierte er seit seinem 14. Lebensjahr. Beides spielte natürlich auch am Tattag eine Rolle. Karl-Heinz H. berichtete, er habe bei der Arbeit einen halben Liter Holunderlikör getrunken, dann zu Hause einen weiteren Liter, dazu zwei Flaschen Sekt und drei Gramm Speed. Bei Sven L. war es nicht anders. Auch er hatte von erheblichem Drogen- und Alkoholkonsum seit Jahren und im speziellen vor der Tat berichtet.

Möglicherweise hat Sven L. sogar bei der ersten polizeilichen Vernehmung noch unter Drogeneinfluss gestanden. Das wollte ein als Zeuge geladener Polizeibeamter nicht ausschließen. Sven L. hatte mehrere, einander widersprechende Schilderungen des Tathergangs abgeliefert. Bei der ersten Vernehmung hatte er noch alle Schuld auf sich genommen, um die Eheleute H. wegen der Kinder davor zu schützen, dass sie ins Gefängnis kämen.

Bei dieser Vernehmung habe er Sven L. wie im Wahn erlebt, berichtete der Zeuge. Der Angeklagte habe auffällig viel Wasser getrunken. Bei der Schilderung des Tathergangs habe er lässig zurückgelehnt dagesessen und mit einem Lächeln auf den Lippen regelrecht in der Tat „gebadet“. Der „Kalle“ habe ihn ja nur als „Teddybär“ gekannt, da habe er mal zeigen wollen, dass er auch ein Monster sein kann, hatte Sven L. der Polizei gesagt. Und auf die Frage, warum er angesichts des am Boden liegenden und wimmernden Opfers keinen Arzt gerufen hätte, habe L. geantwortet: „Warum sollte ich?“

Am nächsten Tag sei der Angeklagte dann zur Vernunft gekommen und habe nachvollziehbare Angaben zum Tathergang gemacht. Schnurstracks führte er die Polizei zum Versteck der Tatwaffe. Er sagte aus, dass er gesehen habe, wie am Tatort eine stehende Person eine am Boden liegende Person mit Füßen getreten habe. Dies steht nun im Widerspruch zur Aussage von Karl-Heinz H. Der will das Opfer nur mit Fäusten und dem Messer traktiert haben.