Köln: Prozessauftakt: Beute aus Kirchen-Einbrüchen für den Dschihad

Köln : Prozessauftakt: Beute aus Kirchen-Einbrüchen für den Dschihad

Wertvolle Kreuze, kostbare Messbecher oder Leuchter - gestohlen aus Kirchen und zu Geld gemacht für den Dschihad in Syrien: Mit diesem Vorwurf hat vor dem Kölner Landgericht ein Mammutprozess gegen acht junge Männer begonnen.

Laut Anklage kommen sie aus der salafistischen Szene. Der Erlös aus ihrem „schweren Bandendiebstahl” - auch aus Einbrüchen in Schulen oder Geschäften - sollte als Spende getarnt an Kämpfer in Syrien gehen, sagt Staatsanwältin Nadja Gudermann. Ziel der bewaffneten Kampfhandlungen: Sturz der Regierung in Damaskus, Errichtung eines islamischen Gottesstaats, Einführung der Scharia.

„Sie sind ja ungewöhnlich viele”, betont der Vorsitzende Richter Ralf-Peter Sossna eingangs. Die Angeklagten sind umringt von 16 Verteidigern. 47 Verhandlungstage sind bereits festgesetzt. Keiner der acht Angeklagten ist auf freiem Fuß. Zum Prozess unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen kommen sie aus verschiedenen Justizvollzugsanstalten - Aachen, Duisburg, Wuppertal, Rheinbach, Hagen und Köln. „Könnten Sie Rücksicht auf Gebetszeiten nehmen?”, will einer der Anwälte am ersten Verhandlungstag wissen.

Eine hervorgehobene Rolle kommt einem 26-jährigen Deutsch-Marokkaner zu. In einem Video, das er auf Youtube eingestellt habe, appelliere er an seine „Glaubensbrüder”, in den Dschihad zu ziehen, schildert Gudermann. „Für Allah bis der Kopf fliegt”, heißt es in dem deutschsprachigen Teil des Videos oder „Steht auf, packt eure Koffer und geht nach Syrien”. Der 26-Jährige sei selbst zu sehen. Auch aus dem arabischsprachigen Teil wird in der Verhandlung zitiert: „Wir töten und treiben Dschihad im Namen Allahs.” Die Symbole der Terrorgruppe „Islamischer Staat” (IS) tauchen ebenfalls auf, wie ein Gerichtssprecher ergänzt.

Der Deutsch-Marokkaner war nach Darstellung der Anklage schon in einem Ausbildungslager, im sogenannten „Deutschen Haus” in einem syrischen Bergdorf. Obwohl ihm der Reisepass 2014 entzogen und die Ausreise verboten war, sei er über Brüssel und Istanbul nach Syrien zur militärischen Ausbildung gelangt und später wieder nach Deutschland eingereist. Er habe an Kampfhandlungen teilnehmen wollen. Daraus wurde nichts. Seit vergangenen November sitzt er in U-Haft.

Die Bande war gefasst worden, nachdem sie in Köln und Siegen mehrfach und über einen längeren Zeitraum „schweren Raub und Diebstahl” begangen hatte, wie die Staatsanwältin formuliert. Der Vorwurf lautet offiziell „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.” Die Männer gingen der Anklage zufolge rabiat vor, sollen mal die Tür zu einer Sakristei ausgehebelt haben, mal durch das Fenster einer Kirche eingedrungen sein. In Siegen erbeuteten sie einen Tresor aus einem Gotteshaus, wurden aber beim Aufschweißen später gestört und flüchteten.

In einer Schule sollen die Angeklagten Laptops gestohlen haben, in einer anderen Bargeld in vierstelliger Höhe. Zur Beuteliste gehörten sogar Briefmarken und eine EC-Karte, mit der sie Geld abgehoben und Goldschmuck bei einem Kölner Juwelier gekauft haben sollen. Einer steht unter Verdacht, zu Unrecht Sozialleistungen bezogen zu haben, diese auch während einer Pilgerfahrt in Saudi-Arabien oder einer Reise in den Jemen kassiert zu haben. Die Touren habe er dem Jobcenter verschwiegen, um sich eine „Einnahmequelle in nicht unerheblichem Umfang” zu sichern.

Die jungen Männer - einer ließ bereits mitteilen, er werde sich weder zur Person noch zur Sache äußern - werden in den nächsten Monaten häufiger im Saal 210 des Kölner Landgerichts auf der Anklagebank sitzen. Drei von ihnen sollen im kommenden Jahr parallel dazu auch im Oberlandesgericht in Düsseldorf Platz nehmen: Die Generalbundesanwaltschaft hat sie angeklagt wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

(dpa)
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