Düsseldorf: Prozess um verwahrloste Kinder: Vater muss ins Gefängnis

Düsseldorf : Prozess um verwahrloste Kinder: Vater muss ins Gefängnis

Ein Düsseldorfer Vater muss ins Gefängnis, weil er sieben seiner Kinder stark vernachlässigt und damit misshandelt hat. Das Amtsgericht verurteilte den vorbestraften 36-jährigen Vater zu einem Jahr und vier Monaten Haft ohne Bewährung.

Die 30-jährige Mutter kam mit einer Verwarnung und 800 Euro Geldstrafe auf Bewährung davon. Beide wurden wegen Verletzung der Fürsorgepflicht und Körperverletzung schuldig gesprochen.

Trotz staatlicher Hilfe - es soll sich ein sechsköpfiges Team um die Familie gekümmert haben - hatten Polizisten die Kinder in Düsseldorf im Januar 2015 bei einer Durchsuchung verwahrlost und schmutzig in einer verdreckten Wohnung gefunden. Die Eltern hatten die Vorwürfe teilweise eingeräumt. Sie seien überfordert gewesen.

Durch monatelange Vernachlässigung hätten die Kinder „katastrophalen Kariesbefall” ihrer Zähne und massiven Lausbefall gehabt sowie Verhaltensauffälligkeiten entwickelt, attestierte das Gericht auf Basis der Berichte von Sachverständigen. In der Waschmaschine sei die Wäsche verschimmelt - weil sie nicht herausgenommen worden sei.

„Ein Mädchen hat uns angelächelt und man konnte nur noch schwarze Zahnstumpen erkennen”, hatte eine Polizistin als Zeugin berichtet. Schon der Garten des Hauses sei „mehr Müllhalde gewesen als Garten”, berichtete sie. „Bereits am Hauseingang kam uns dieser beißende Uringestank entgegen. So sollte kein Kind leben.” Die Kinder hätten erzählt, zum Frühstück Gummibärchen und ungekochte Nudeln gegessen zu haben.

Inzwischen sind die sieben Kinder in staatlicher Obhut. Zwei leben noch bei ihrer Mutter. Zu einem ersten Gerichtstermin waren die Eltern nicht erschienen. Die Polizei hatte sie aufspüren und verhaften müssen.

2014 war eine Tochter des Paares in die Uniklinik Düsseldorf eingeliefert worden. Ärzte stellten alte und frische Rippenbrüche und blaue Flecken an dem Baby fest. Die Mutter habe behauptet, das Kind sei aus dem Kinderwagen gestürzt. Doch die Ärzte äußerten Zweifel an dieser Version. Wer dem Kind diese Verletzungen zugefügt hat, ließ sich aber nicht klären.

Am Mittwoch hatten Familienhelfer als Zeugen ausgesagt. Anfangs habe die Mutter gut kooperiert, später sei es schwieriger geworden. Sie hätten oft nicht in die obere Etage des Hauses gedurft, wo die Kinder geschlafen hätten.

Die Verteidiger hatten vergeblich versucht, eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen. Die Familie sei rund um die Uhr von Fachleuten betreut worden, die die Zustände nicht als strafbar eingestuft hätten. Bei vermeintlichen Kotflecken habe es sich um Schokolade gehandelt.

Die Verhaltensauffälligkeiten seien erst aufgetreten, als die Kinder von den Behörden aus der Familie geholt worden seien, argumentierten die Anwälte. Die Zeugen hätten die Eltern durchgehend als liebevoll im Umgang mit den Kindern beschrieben.

(dpa)
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