Aachen/Übach-Palenberg: Prozess gegen Witwe: 20.000 Euro für Mord an Ehemann?

Aachen/Übach-Palenberg: Prozess gegen Witwe: 20.000 Euro für Mord an Ehemann?

Das Aachener Landgericht muss sich erneut mit einem Mordfall aus dem Jahr 2009 beschäftigen. Auf der Anklagebank des Aachener Landgerichts sitzt nun die Witwe des Ermordeten, Erzebet F. (45). Die Frau soll die beiden damals verurteilten Täter zu dem Mord angestiftet haben, heißt es in der von Staatsanwalt Sebastian Muhl am Dienstag verlesenen Anklageschrift.

Für den Mord an dem damals 62-jährigen Christian J. aus Übach-Palenberg, Besitzer einer Waschstraße, waren der 58-jährige Gastronom und Betreiber des Bistros „Casablanca“ Khalil H., und der Lkw-Fahrer Ronny B., damals 33 Jahre alt, 2009 zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Sie hatten J. mit einer schweren Eisenstange brutal erschlagen. Für Khalil H. hatte das Gericht im Urteil sogar die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt.

Laut Anklageschrift soll die wesentlich jüngere Frau des Waschstraßenbesitzers gefürchtet haben, dass sich ihr Ehemann von ihr scheiden lassen wollte, er lebte damals bereits länger zurückgezogen in seinem Arbeitszimmer in den Räumlichkeiten der Waschstraße.

Sie habe offenbar befürchtet, dass sie nach einer Scheidung finanziell schlechter gestellt werden würde. Daraufhin soll sie die beiden Täter in dem Bistro unmittelbar neben der Waschstraße mit 20.000 Euro für diesen Auftragsmord angeheuert haben.

Die im Frühjahr diesen Jahres in Süddeutschland festgenommene Angeklagte wollte sich am Dienstag nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Anwalt David Hagmann bekräftigte, man wolle sich zunächst schweigend verteidigen.

Besonders brutaler Mord

Nach dem Geständnis von Ronny B. vor mehr als acht Jahren hatte sich Erzebet F., eine Serbin ungarischer Abstammung, umgehend nach Serbien abgesetzt. Die Ehefrau hatte sich im Prozess 2009 als Nebenklägerin ankündigen lassen, war dann aber nicht erschienen. Bei der Tochter des Getöteten hatte das für maßlose Empörung gesorgt.

Die Umstände des mutmaßlichen Auftragsmordes waren äußerst brutal. Ronny B. war am Abend des 4. April 2009, gegen 22 Uhr vom Bistro „Casablanca“ aus durch eine direkte Verbindungstür in die Räume der Waschstraße gegangen — und hatte versucht, Christian J. durch heftige Schläge mit einem Brecheisen zu töten.

Das war ihm zunächst nicht gelungen. Er hatte das röchelnde Opfer liegen lassen und bei seinem Kumpel Khalil H. „Hilfe“ geholt. Der hatte dann das Leben des Opfers durch heftige Schläge auf den Kopf des am Boden liegenden Mannes beendet. Das Verfahren wird am 30. Oktober fortgesetzt.

Mehr von Aachener Zeitung