Bonn: Prozess gegen Polizisten wegen fahrlässiger Tötung

Bonn: Prozess gegen Polizisten wegen fahrlässiger Tötung

Wegen fahrlässiger Tötung muss sich seit Mittwoch ein 47 Jahre alter Hauptkommissar vor dem Bonner Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, einen flüchtenden Discobesucher (44) am Vatertag 2010 fahrlässig mit einem Bauchschuss getötet zu haben.

Gleich zum Prozessauftakt entschuldigte sich der Angeklagte bei der Familie des Opfers. Der Angeklagte war im Mai des vergangenen Jahres mit einem Kollegen zu einem Einsatz vor einer Diskothek gerufen worden, wo es zwischen verfeindeten Gruppen zu einer Schlägerei gekommen war.

Zwei Männer flüchteten, die angeblich bewaffnet sein sollten. Als die Beamten sie verfolgten und zur Aufgabe aufforderten, glaubte der Angeklagte, einer der Männer mache mit seinem rechten Arm eine Drehbewegung an seinem Gürtel, an dem er ein Holster trug. „Für mich war es eindeutig das Ziehen einer Waffe”, so der Beamte im Prozess.

Gegen den Anklagevorwurf, er hätte die Sorgfaltspflicht verletzt, weil er auch mit einem Warnschuss oder Schuss auf die Füße den vermeintlichen Angriff hätte abwehren können, wehrte er sich mit den Worten: „Um bei einer akuten Gefahr eine Wirkung zu erzielen, muss auf eine „größtmögliche Fläche” geschossen werden.” Darauf würden er und seine Kollegen bei Schussübungen trainiert. Das Opfer aber war war unbewaffnet. Zwei Stunden nach dem Schuss starb der 44-jährige Mann im Krankenhaus.