Prozess: Buchhalterin gesteht Unterschlagung von über 800.000 Euro

Luxusleben auf Kosten des Chefs : Buchhalterin gesteht Unterschlagung von über 800.000 Euro

Die Angeklagte vor der 3. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht ist eine zierliche Person, modisch gekleidet mit einem Hoody, der vereinzelt Glitzerornamente auffunkeln lässt. Mit leiser Stimme gab sie am Montag zum Prozessauftakt unumwunden alles zu.

Genauestens von den Ermittlern ausgerechnet geht es um 837.550,14 Euro, die die 54-jährige Aachenerin als Buchhalterin einer mittelgroßen Immobilien- und Hausverwaltungsagentur zwischen Mitte 2011 und August 2017 in 354 Fällen von Mandanten und von den Konten der Gesellschaft selber abgezockt haben soll. „Ja“, sagte sie leise auf die Nachfrage des Vorsitzenden Richters Thomas Küpper, ob das Geld denn weg sei, „ja, ich habe einfach alles verprasst“.

Sie sei kaufsüchtig, murmelte sie, und auch deswegen in Behandlung. Die Marke Prada hatte es ihr angetan, auch eine teure Küche, dazu immer wieder Schmuck. Sie habe einen luxuriösen Lebensstil gepflegt, der von einem Buchhalterinnengehalt nicht zu bezahlen gewesen sei. So erklärte sie ihren permanenten Drang, aus einer absoluten Vertrauensstellung heraus, wie der finanziell geschädigte Chef später als Zeuge bestätigte, immer wieder kleinere bis mittlere Summen unterschlagen und diese auf ihre Konten umgeleitet zu haben.

Geld brauchte sie auch für eine Luxuswohnung in bester Aachener Lage in der Nizzaallee. 2000 Euro monatlicher Mietzins waren dafür zu entrichten. Anwalt Peter Schäfer beschrieb der Kammer, in welcher Verfassung seine Mandantin Anfang September 2017 zu ihm gekommen war. „Sie hat es einfach nicht mehr ausgehalten“, erklärte er den Gang zur Staatsanwaltshaft mit einer Selbstanzeige, damals hatte sie mit noch sehr rosaroter Brille einen Schaden von etwa 100.000 Euro angenommen.

Viel zu wenig, wie sich schnell nach überschlägigen Berechnungen herausgestellt hatte. Die kleinen Summen zwischen 200 und 4000 wurden in mehr als 900 Einzelanweisungen auf Sparbücher mit ihrem Namen und dem ihrer Mutter überwiesen, hinzu kam ein Girokonto. Von den Sparbüchern holte sie bei Bedarf Bargeld ab oder fütterte ihre Debit-Kreditkarten, um das Geld später in den Kartenlesegeräten der Boutiquen wieder loszuwerden. „Ich habe in Saus und Braus von etwas gelebt, was mir nicht gehörte“, erkannte sie und berichtete, dass sie sich deswegen eigentlich habe umbringen wollen.

Die Betriebswirtin manipulierte die Buchhaltung so geschickt, dass es dem Chef nicht auffiel. Erst zum Schluss „habe ich es übertrieben“, gestand sie – und da kamen prompt Nachfragen von Kunden, die sich abgezockt fühlten.

Der Prozess wird am 4. Februar fortgesetzt, möglicherweise fällt dann bereits das Urteil.

Mehr von Aachener Zeitung