Prostitution und Menschenhandel:Großeinsatz in Eschweiler/Düren/Aachen

Zwangsprostitution und Menschenhandel : Bundesweiter Großeinsatz gegen organisierte Kriminalität

Ein gutes Leben in Deutschland wurde ihnen versprochen. Einmal angekommen wurden sie zwangsbeschäftigt und teilweise zur Prostitution gezwungen. So oder so ähnlich soll das Schicksal vieler Künstler, Artisten und Tänzerinnen gewesen sein. Eine kriminelle Bande soll die Menschen aus Russland und Afrika unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und dann ausgebeutet haben.

Die beiden Hauptbeschuldigten der 17-köpfigen Gruppe sind jetzt in Düren bei einer bundesweiten Razzia der Bundespolizei festgenommen worden. Bislang gehen die Beamten von 60 Opfern aus.

Ab 12 Uhr durchsuchten rund 300 Beamte, darunter auch Sondereinsatzkräfte, 16 Wohn- und Geschäftsräume, Bordelle und zwei Zirkusbetriebe. Bis zum Nachmittag stellten die Einsatzkräfte Laptops, Handys und diverse Dokumente und Unterlagen sicher. Über 4.200 Euro Bargeld wurde beschlagnahmt. Mit diesem Beweismaterial soll der Tatvorwurf des Ausbeutens, des Menschenhandels und Verstöße nach dem Steuerstrafgesetzbuch erhärtet werden.

Der Schwerpunkt des Einsatzes lag in unserer Region. In Eschweiler durchsuchte die Bundespolizei ein Wohnhaus, in Düren sieben. Der Rest der durchsuchten Objekte befand sich rund um Aachen. Eine Razzia gab es außerdem in einem Zirkus in Ludwigshafen. Auch in Bonn und Berlin waren Beamte im Einsatz.

Fünf der Opfer befanden sich in einem Bordellbetrieb in Eschweiler an der Jülicher Straße und „wurden hier wahrscheinlich zur Prostitution gezwungen“, sagte Jens Flören, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion St. Augustin unserer Zeitung.

Unter anderem durchsuchten sie ein Wohnhaus in Eschweiler. Dort trafen sie auch auf fünf Opfer, die wahrscheinlich zur Prostitution gezwungen wurden. Foto: Anke Capellmann

Bei den Tätern handelt es sich um zwölf Männer und fünf Frauen im Alter von 25 bis 66 Jahren mit vorwiegend deutscher (11) Staatsangehörigkeit. Bei den in Düren festgenommenen Hauptbeschuldigten handelt es sich um eine 62-jährige Deutsche russischer Herkunft, die sich bislang in Eschweiler aufgehalten hatte, und einen 51-Jährigen aus Simbabwe, der sich in Düren aufhielt. Sie werden dem Haftrichter vorgeführt. Zwei weitere Beschuldigte kommen ebenfalls aus Simbabwe, ein Beschuldigter aus der Türkei und je eine Beschuldigte stammen aus Äthiopien und Polen.

Bundesweit stellten die Einsatzkräfte sieben weitere Beschuldigte und sieben Menschen, die sich unerlaubt in Deutschland aufhalten, fest. Acht Menschen machten gestern bereits Zeugenaussagen.

Die zum Teil bereits einschlägig polizeibekannten Täter sollen Scheinfirmen gegründet haben und in Afrika – vor allem in Simbabwe – und Russland Artisten, Künstler und Tänzerinnen über professionelle Castings angeworben haben. Ihnen wurden gute Arbeitsverträge, Unterkünfte und Versorgung, also ein gutes Leben, versprochen. Danach organisierte die Bande die Reise nach Deutschland für ihre künftigen Opfer.

Die Künstler mussten laut Bundespolizei dann für einen Hungerlohn arbeiten. Den Großteil ihres Lohnes mussten sie wohl abgeben. „Sie wurden ausgebeutet und kamen in desolaten Wohnungen, Lagerstätten und Wohnwagen unter“, sagt Flören. Die klassischen Artisten und Tänzerinnen aus Simbabwe seien auf der Straße, in Table-Dance-Bars, Bordellen und Zirkusbetrieben aufgetreten. Meist traten die Männer als Artisten auf. Die Frauen, die vorwiegend aus Russland und Osteuropa nach Deutschland kamen, wurden letztlich gezwungen, als Prostituierte in Bordellen zu arbeiten. Die Bundespolizei ist der Bande nach eigenen Angaben seit August 2018 im Auftrag der Staatsanwaltschaft Aachen auf der Spur. „Die Opfer sind für uns Zeugen und werden vernommen. Welche Maßnahmen sich noch ergeben, bleibt abzuwarten“, sagte Flören. Wie die Bundespolizei der Gruppe auf die Spur gekommen sind, teilte sie aus ermittlungstechnischen Gründen nicht mit.

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