Aachener Uniklinik : Prof. Frank Schneider hängt den Arztkittel an den Nagel

Aachener Uniklinik : Prof. Frank Schneider hängt den Arztkittel an den Nagel

Am 1. Dezember könnte Prof. Frank Schneider ein kleines Jubiläum feiern: 15 Jahre wäre der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik dann an der Aachener Uniklinik tätig.

Man darf davon ausgehen, dass er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darauf anstoßen würde. Der Konjunktiv ist angebracht, denn Schneider wird am 1. Dezember nicht mehr in Aachen sein. Zum 1. November wechselt der 60-Jährige als neuer Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender an das Düsseldorfer Universitätsklinikum (UKD), ein Haus mit gut 1160 Betten und rund 5220 Vollzeitkräften, davon gut 1000 in der Pflege und gut 860 Ärzte.

Warum tut man sich das in diesem Alter noch an? Die Frage hat sich Schneider selbst auch gestellt. Seine Antwort: „Mir geht es hier in Aachen sehr gut, aber irgendwann stellt sich die Frage, was man noch will im Leben. Ich will noch einmal etwas Neues gestalten.“ Dazu wird er in Düsseldorf viel Gelegenheit haben, denn der Posten an der Spitze des Klinikums ist seit elf Monaten vakant. Sein Vorgänger Prof. Klaus Höffken war Ende 2017 aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Nicht nur deshalb dürfte Schneider auf seinem neuen Schreibtisch reichlich Arbeit vorfinden. Zuletzt hatte ein massiver Streik des Pflegepersonals das Haus belastet, der mit der Maßgabe beendet werden konnte, dass 180 Vollzeitstellen in der Pflege neu geschaffen werden sollen. Da wird Schneiders „hohe Managementkompetenz“, die der Aufsichtsratschef des UKD, Prof. Peter Dominiak, neben seinem Profil als Wissenschaftler und Mediziner hervorhebt, sehr gefragt sein. Sein Vertrag in Düsseldorf läuft bis zum Erreichen des Rentenalters, aber Schneiders Plan ist es, länger zu arbeiten – um das, was er sich vorgenommen hat, auch wirklich umsetzen zu können.

„Ein weinendes und ein lachendes Auge“

Gestalten also: „Wir können in allen Bereichen besser werden“, sagt Schneider. Dem Düsseldorfer Uniklinikum will er eine stärker profilierte Identität geben, gerade wenn es darum geht, Forschung und Lehre in die Krankenversorgung einzubringen. Dafür verlässt er nun Aachen, und das „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“. Es sei eine „ganz tolle Zeit“ gewesen, sagt Schneider und schwärmt von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und von der engen Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich.

Er ist Direktor des „Jara-Brain“-Projektes, einem bundesweit einmaligen Hirnforschungsverbund, in dem Wissenschaftler der RWTH und des Forschungszentrums arbeiten. „Uns ist es gelungen, unsere Klinik zu einer der führenden in Deutschland in Krankenversorgung, Forschung und Lehre zu machen“, bilanziert Schneider. Die Klinik sei für die Zukunft sehr gut aufgestellt: mit demnächst 210 stationären und teilstationären Behandlungsplätzen und einem Klinikneubau, der gerade konzipiert wird. Bis zur Neubesetzung des Direktorats wird Schneiders derzeitige Vertreterin, Prof. Irene Neuner, kommissarisch die Leitung übernehmen.

Das Jara-Projekt wird Schneider aufgeben; dass er aber nicht konkurrierende Projekte in dieser Art auch in Düsseldorf auf die Beine stellen will, daran lässt er keinen Zweifel. Ansonsten bedauert er vor allem, dass er seinen Arztkittel an den Nagel hängen muss. „Den direkten Kontakt als Arzt zu den Patienten werde ich sehr vermissen.“ Doch dann zitiert er den Titel eines der Bücher, das er herausgegeben hat: „Irgendwie kommt es anders.“ Das passt.

Mehr von Aachener Zeitung