Aachen: Postcrossing: Grüße aus Afrika und Russland

Aachen : Postcrossing: Grüße aus Afrika und Russland

Stift in die Hand und los geht‘s: Postkarten schreiben mag etwas aus der Mode gekommen sein, die Community der sogenannten Postcrosser lässt die selbst geschriebenen kleinen Botschaften aber wieder aufleben. Ein Selbstversuch.

Postkarten aus dem Urlaub zu schreiben und zu bekommen wird in Zeiten von Smartphones, Handyfotos und Whatsapp immer seltener. Aber die bunten Grüße aus fernen Ländern sind immer seltener geworden, heute ist der Briefkasten meist nur noch mit Rechnungen und Werbung gefüllt.

Juliana bewahrt die schönsten Postkarten auf. Zum Beispiel eine aus Tschechien, die Ron Weasley bei der Schlacht um Hogwarts zeigt. Foto: Juliana Kox

Eine Entwicklung, die dem Studenten Paulo Magalhaes aus Portugal nicht gefiel. Deswegen stellte er 2005 die Website postcrossing. com ins Netz. Sie ist ein Netzwerk für alle Postkarten-Liebhaber geworden: Jeder kann sich registrieren, bekommt die Adresse eines anderen Mitglieds gestellt und kann dieser fremde Mensch dann eine Postkarte schreiben. Erhält das Gegenüber sie, trägt er das auf postcrossing.com ein. Als Gegenzug erhält man dann selbst in den nächsten Tagen von einem anderen Mitglied eine Postkarte. Anfang 2017 waren bereits über 40 Millionen verschickte Postkarten registriert worden.

Fünf Karten, fünf Länder

Und jetzt kommt noch eine dazu: Die Aufregung für mich als Postcrossing-Neuling ist nicht zu leugnen. Kommt meine Karte auch wirklich da an, wo sie hin soll? Welches Motiv wähle ich? Was ist, wenn das Gegenüber vergisst, den Code einzutragen und ich dann keine Postkarte bekomme? Zu Beginn kann jeder Einsteiger fünf Adressen anfordern. Schon hier zeigt sich, wie bunt die Postcrossing-Gemeinschaft ist: In diesem Falle kommen die Empfänger aus den USA, Finnland, Russland, Lettland und Indien. Genau so gemischt wie die Länder sind auch die Empfänger. Da ist zum Beispiel das junge Pärchen, beide 20, aus Russland. Sie ist leidenschaftliche Hobbygärtnerin, er mag Computerspiele und kocht gerne. Oder Bob aus New York. In seinem Profil hat der 60-Jährige angegeben, über welche Motive er sich besonders freut: Katzen und Hunde mag er, aber auch Postkarten mit Wander- und Fahrradstrecken oder Bilder von Wahrzeichen.

Für die beiden Kontakte fällt die Wahl also auf eine Karte, die Sonnenblumen in einem Garten zeigt, die andere hat den Aachener Dom als Bild. Ein paar Grüße auf Englisch sind schnell geschrieben. Jetzt heißt es warten.

Mehr als 1000 Karten

Die Jülicherin Natascha ist seit neun Jahren geübte Schreiberin. Mit 23 fing sie an: „Mittlerweile habe ich mehr als 1000 Karten zusammen“, sagt sie. Zurzeit hat sie sogar zwei Accounts, um mehr Botschaften in die Welt rausschicken zu können. „Ich bin mittlerweile bei einem Account für 20 Adressen freigeschaltet“, sagt Natascha. Eine ganze Menge, denn: „ Bis zur hundertsten verschickten Karte darf man nur an fünf Adressen parallel schreiben.“

Ein Hobby, das nicht immer ganz billig ist: „Im Monat gebe ich für Briefmarken und schöne Karten manchmal 15 Euro aus.“ Ganz nebenher hat sie in den letzten neun Jahren auch noch richtig enge Freundschaften über die Website knüpfen können. „Seit ein paar Jahren stehe ich in engem Kontakt zu einer Userin aus China, wir sind mittlerweile Freundinnen.“

Aus der ersten Postkarte ist mittlerweile eine Brieffreundschaft geworden. „Ich habe sogar einen chinesischen Magazinartikel, in dem ein Bild von mir abgedruckt ist. Meine Postcrossing-Freundin hatte da von mir erzählt und ein Bild mit hingeschickt“, erklärt sie. Gesehen haben sie die beiden allerdings noch nie.

Eine Woche, nachdem die erste Postkarte an Bob rausgeschickt ist, trudelt die Bestätigung via E-Mail ein: „Hurray! Your postcard DE-7282076 to U.S.A. arrived“. Dazu gibt es noch ein Dankeschön von Bob per Nachricht über die Aachener-Dom-Karte. Das Gefühl, dass sich jemand völlig Fremdes auf einem anderen Kontinent über die geschriebene Post freut, ist wirklich beglückend und macht Lust auf die erste Karte, die für einen selbst bald im Briefkasten liegen wird. Aber auch hier ist anfangs wieder Geduld gefragt.

Diese bringt die 28-jährige Juliana aus Aachen gern auf. Sie ist seit fünf Jahren Postcrossing-Mitglied. „Ich bin totaler ,HarryPotter‘-Fan, das habe ich auch in mein Profil geschrieben. Eine Karte, die mir wirklich in Erinnerung geblieben ist, war von einem Jungen aus Tschechien. Sie zeigt Ron im Kampf um Hogwarts“, erzählt sie. Eine Karte, die in ihren Ordner gewandert ist: „Da bewahre ich die schönsten auf.“

Sie hat mittlerweile sowohl 270 Karten bekommen als auch verschickt. Einige darunter sind auch aus Afrika. „Die finde ich besonders spannend, weil es sehr selten vorkommt.“ Ein Treffen mit anderen Postcrossern kann sie sich zwar vorstellen, aber: „Ich mag die Halbanonymität.“

Erste Karte aus Wien

Einen Monat später kommt endlich die erste Karte in Aachen an. Sie kommt von Miriam aus Wien. Miriam hat sich für ein Hundemotiv entschieden — aufmerksam, denn im Profil habe ich geschrieben, dass ich einen Hund habe. Der Karten-Code ist schnell eingetragen und eine Nachricht an Miriam geschrieben. Warten noch drei Karten, die nach Finnland, Lettland und Indien geschickt werden wollen.

Post in alle Welt zu verschicken, hat durchaus seine Reize, weil viele spannende Geschichten auf einen warten. Für aktive Postcrosser ist es aber auf Dauer auch nicht ganz preiswert.