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Bonn: Post-Tower: Gläserner Gigant am Rhein

Bonn : Post-Tower: Gläserner Gigant am Rhein

Mit dem Lastenaufzug geht es hoch in den 40. Stock - die Fahrt dauert 55 Sekunden. Bislang sind nur die zwei Lastenaufzüge des Bonner Post-Towers in Betrieb. Oben auf dem Dach des gläsernen Gebäudes herrscht noch immer lebhaftes Treiben.

Es wird geschweißt und gehämmert, während die unteren 29 Etagen schon eingerichtet werden. Die Arbeiten am höchsten Bürohaus in NRW sind in der Endphase, im Frühherbst soll das Gebäude bezugsfertig sein.

„Der Post-Tower ist mit dieser Lage am Rhein wirklich einmalig”, sagt Projektleiter Hans-Peter Kröll in 150 Metern Höhe. Einmalig ist auf jeden Fall die Aussicht. Im Norden können die Postler bei gutem Wetter den Kölner Dom sehen, im Süden liegen Siebengebirge und Drachenfels im Blickfeld.

Für die Handwerker auf der höchsten Baustelle Bonns ist das derzeit Alltag. In mehreren Klettermastbühnen stehen Fassadenarbeiter und bringen die letzten Glasplatten der Außenwand an.

Auf dem Dach des Towers entsteht zudem ein Penthouse für die Vorstandsmitglieder, dessen Exklusivität bisher nur durch ein Stahlgerüst und gebogenes Glas zu erahnen ist. Mit dem Penthouse wächst das Gebäude auf 162,5 Meter Höhe. „Wir haben hier einen Konferenzbereich, der an der schönsten Stelle des Towers liegt”, beschreibt Projektleiter Kröll.

Vater Rhein reguliert das Klima im Tower

Dies sei nur möglich, weil das Gebäude mit sehr wenig Lüftungstechnik auskomme. Andere Hochhäuser wie der Lange Eugen müssten auf ihren Dächer oft sperrige Anlagen installieren. Beim Post-Tower soll die doppelte Glasfassade nach Angaben Krölls eine optimale Raumt

emperatur und -belüftung gewährleisten. Zudem liegen in den Böden der 40 Obergeschosse rund 210 Kilometer Schlauch, die die Temperatur mit Hilfe von Wasser regeln. Das Wasser wird in einem Wärmetauscher im Keller des Post-Towers durch die Energie des Rheinwassers erhitzt oder abgekühlt.

Mit rund 90 000 Quadratmetern Glasfläche und den zwei versetzten Ellipsenhälften wirkt der Post-Tower fast zerbrechlich. „Das Gebäude ist aber absolut sicher”, sagt Kröll. „Ausnahmefälle wie Erdbeben sind bei der Berechnung der Statik berücksichtigt worden.”

Rund 2000 Mitarbeiter sollen in der neuen Konzernzentrale der Deutschen Post arbeiten. „Ein Termin für den Einzug steht noch nicht fest”, sagt Kröll. In den unteren Stockwerken könnten die Postler mit ihrer Arbeit aber schon beginnen. Der graue Teppich mit grünen und lilafarbenen Wellenlinien ist verlegt. Auch die Möbel sind dezent blaugrau gestrichen.

Bürowände und -türen sind nach den Entwürfen des Architekten Helmut Jahn wie die Fassade aus Glas gefertigt. „Durch diese große Transparenz haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln”, meint Kröll. Allerdings weiß auch er: Die Glaswände sind gewöhnungsbedürftig - zumindest für Menschen, die nicht schwindelfrei sind.