Mönchengladbach: Polizistin bei Unfall getötet: Prozess gegen Lkw-Fahrer beginnt

Mönchengladbach : Polizistin bei Unfall getötet: Prozess gegen Lkw-Fahrer beginnt

Nach dem Unfalltod einer Polizistin vor einem halben Jahr hat ein damals betrunkener Lkw-Fahrer die beiden überlebenden Beamten um Entschuldigung gebeten. „Es tut ihm wahnsinnig leid”, sagte der Verteidiger des heute 49-jährigen Mannes am Dienstag zum Prozessauftakt am Landgericht Mönchengladbach. „Er würde gerne die Zeit zurückdrehen, aber er weiß, dass er es nicht kann.”

Zu der Verhandlung waren als Nebenkläger auch die Eltern der toten Polizistin gekommen. Der Lkw-Fahrer soll im Dezember ein auf dem Standstreifen der A61 bei Viersen stehendes Polizeiauto gerammt und 200 Meter weitergeschoben haben.

Der schwer beschädigte Lastwagen nach dem Zusammenstoß mit dem Polizeiwagen auf der Autobahn A61. Foto: Theo Titz/dpa

Die 23-Jährige Polizistin starb im Wrack des Dienstwagens auf der Rückbank, zwei Kollegen wurden schwer verletzt. Eine 23-jährige Polizistin starb. Eine Beamtin und ein Polizei-Azubi wurden schwer verletzt.

Die 23-Jährige Polizistin starb im Wrack des Dienstwagens auf der Rückbank, zwei Kollegen wurden schwer verletzt. Foto: Theo Titz/dpa

Die 49-jährige Beamtin wird psychologisch behandelt, sie ist seit dem Vorfall dienstunfähig. Ihr Kollege hatte nach eigenen Angaben eine Gehirnerschütterung und Prellungen davon getragen, kurz nach dem Unfall erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Bis heute kehrten die Bilder in seinem Kopf wieder, sagte er.

Der Lkw-Fahrer hatte nach dem Crash ausgesagt, sich nicht an das Geschehen erinnern zu können. Ein Alkoholtest bei dem damals 48-Jährigen aus der Ukraine hatte nach Polizeiangaben einen Wert von mehr als zwei Promille ergeben. Hinweise auf einen technischen Defekt am Lastwagen gab es nicht.

Ein Autofahrer hatte bezeugt, der Sattelzug sei zunächst in Schlangenlinien gefahren, bevor er in Höhe des Streifenwagens plötzlich auf die Standspur zog und gegen das Polizeiauto prallte. Unerklärlich für die Gutachter: Denn die Beamten hatten mit Blaulicht und eingeschalteter Warnblinkanlage auf den zuvor aufgefallenen Lastwagen gewartet.

Nach dem tödlichen Unfall hatten zahlreiche Menschen, darunter viele Kollegen, ihre Anteilnahme ausgedrückt. Über Twitter, E-Mail, Brief oder Telefon gingen Hunderte Beileidsbekundungen ein, etliche Menschen erschienen persönlich auf der Wache der getöteten Frau, sie beteten und legten Blumen und Kerzen vor der Wache nieder.

Die Mönchengladbacher Kammer will an insgesamt sechs Prozesstagen und bis zum 17. Juni verhandeln.

(dpa)